Die Widersprüche des Peter Ustinov Der vor einige…

Die Widersprüche des Peter Ustinov

Der vor einigen Tagen verstorbene Schauspieler Peter Ustinov war sicherlich ein Mensch mit großen Fähigkeiten, die ihn weit aus der Masse der gewöhnlichen Menschen heraushoben. Von seinen politischen und philosophischen Ansichten läßt sich dies leider nicht behaupten. Dort war Ustinov mindestens ebenso in Widersprüchen verhaftet, wie dies für die meisten Menschen in unserer Kultur leider der Fall ist. In einem Interview mit dem Spiegel äußert sich Ustinov auf die Frage, ob er eine politische Idee vertrete, folgendermaßen:

„Nehmen Sie den Kommunismus: Die Leute sagen, die kommunistische Idee war sehr gut – ja, sie war sehr gut, aber sie war nicht praktikabel, sonst hätte sie es nicht erlaubt, von Stalin derart pervertiert zu werden. Im Gegensatz zum Kommunismus glaube ich, dass das Individuum wichtiger ist als die Masse. Die Menge besteht aus Individuen, die für den Moment keine Stimme haben, die sie vorübergehend verloren haben. Aber alle Ideen, ohne Ausnahme, kommen aus einem einzelnen Kopf.“ Der letzte Satz von Ustinov klingt wie aus der Verteidigungsrede von Howard Roark anläßlich seines Prozesses. Aber wie kann jemand, der sich als Individualist empfindet, die kommunistische Idee als im Prinzip gut erachten? Der Interview fragt leider nicht konsequent nach und so bleibt im Dunkeln, was Ustinov an der kommunistischen Idee so faszinierend findet, obwohl er seine Praxis als abstoßend empfindet. Vermutlich wird es die Idee des Altruismus gewesen sein, die Ustinov als gut empfand. Aber genau diese Idee, diese böse Idee führte zu der Praxis des Kommunismus in der Sowjetunion. Dieser Staat war die konsequentenste Umsetzung der altruistischen Idee in der Praxis.

Über die „gute Theorie“ des Kommunismus kam man zum Beispiel durch Konrad Löws Buch „Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie anhand von Originalaussagen von Marx und Engels ein gutes Bild machen. Hier nur ein Zitat von Marx (aus „Zur Judenfrage“): „Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld. Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation unsrer Zeit. Wir erkennen also im Judentum ein allgemeines gegenwärtiges antisoziales Element, welches durch die geschichtliche Entwicklung, an welcher die Juden in dieser schlechten Beziehung eifrig mitgearbeitet, auf seine jetztige Höhe getrieben wurde, auf eine Höhe, auf welches es sich notwendig auflösen muß. Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum.“ Der Versuch, die Menschheit vom Geld und Schacher zu „emanzipieren“ hat annähernd 100 Millionen Menschenleben gekostet, wie im Schwarzbuch des Kommunismus nachzulesen ist. Weiterhin an die „gute Theorie“ des Kommunismus zu glauben, bedeutet nichts anderes, als neuerlichen Versuchen, das vermeintlich Gute in die Praxis umzusetzen, Vorschub zu leisten.

Über den Zusammenhang von böser Theorie und böser Praxis schreibt Leonard Peikoff in Objectivism – The Philsophy of Ayn Rand : „Wer immer murmelt, dass der Sozialismus ungerecht in der Praxis, aber idealistisch in der Theorie sei, kennt nichts von Theorie oder von Gerechtigkeit. Jedes etatistische Regime ist ungerecht in der Praxis. Der Grund dafür ist, dass die Ungerechtigkeit die Essenz seiner Theorie ist.“ Peikoff beantwortet hier eine Frage, die einst Die Zeit so formulierte: „War der Terror … etwas radikal Böses oder ein pervertiertes Gutes?“

Recht auf geistiges Eigentum

Hardy Bouillon schreibt in der Zeitschrift Aufklärung und Kritik (1/2004): „Zu den bekanntesten Libertären, die das Recht auf geistiges Eigentum verfechten, zählt Ayn Rand – und, mit gewissen Einschränkungen, Murray Rothbard und David Friedman. Zu ihren Vorreitern zählen u. a. Lysander Spooner und Herbert Spencer. Rand und ihre Anhänger führen das Argument ins Feld, daß das Naturrecht jedem das Recht auf die Früchte der eigenen Arbeit gewähre und daß folglich die Legimität der Patente und registrierter Erfindungen und Copyrights auf der kreativen Tätigkeit des Erfinders bzw. Autors beruhe.“ Dazu ein aktuelles Beispiel: Die deutsche Musikindustrie geht endlich gegen das illegale Herunterladen von Musik aus dem Internet vor (Quelle: news.de): „In einer ersten Welle seien 68 Strafanzeigen erstattet worden. Hintergrund sei, dass die Internetprovider der Staatsanwaltschaft Angaben zur Identität illegal agierender Musikanbieter machen müssten. Ziel der Musikwirtschaft sei dann, bei diesen Schadenersatz geltend zu machen. Auch in Dänemark und Italien gehe die Branche so vor. In Deutschland wurden zuletzt 600 Millionen Songs illegal heruntergeladen.“

Ihr Blindschleichen! In der Weltwoche schreibt Ma…

Ihr Blindschleichen!

In der Weltwoche schreibt Mathias Plüss: „Die Frage nach der Willensfreiheit ist so alt wie die Philosophie selber. Schon Luther und Erasmus von Rotterdam stritten sich darüber. In Luthers Sicht ist der Wille fremdgelenkt. Erasmus fand, Gott hätte dem Menschen kaum seine Gebote gesandt, wenn wir nicht frei wären, sie einzuhalten oder nicht. Heute ist der Streit keineswegs beendet. Die Position Luthers nehmen jetzt vor allem Neurowissenschaftler ein, jene von Erasmus die Feulleton-Redakteure.“ Da ich den Artikel nicht gelesen habe (er steht im Internet nicht zur Verfügung – vermutlich glücklicherweise), möchte ich aus dem Diskussionsbeitrag von Pro Libertate zitieren: „Die Behauptung, Menschen seien NICHT frei, soll nur wieder jene entschuldigen, die SCHLECHT handeln und anderen Schaden zufügen. Erstaunlicherweise sind sie gar nicht so furchtbar ‚programmiert‘, wenn sie die Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen. Wer faul ist, wird plötzlich arbeiten, wenn man ihn nicht mehr durchfüttert. Wer stiehlt, wird damit aufhören, wenn er den Schaden durch Zwangsarbeit zurückzahlen muss.

Aber es gibt natürlich auch Menschen, die haben ein defektes Gehirn: sie können Handlung und Konsequenzen nicht richtig abwägen. Das ist aber für die Mehrheit nicht der Fall. Wir sind nicht programmiert, sondern wir können RATIONAL entscheiden, basierend auf FAKTEN und KONZEPTEN. Wir können rational früheres Handeln analysieren.

Die Ideen von Roth sind FALSCH und SCHÄDLICH, weil sie Menschen animieren, den Verstand, den sie haben, nicht einzusetzen.“ Wie oft mögen wohl Menschen vor Gericht gestanden haben, die tatsächlich organische (!) Gehirnerkrankungen gehabt haben, die also nicht in der Lage waren, ihren Willen frei zu steuern, und die aufgrunddessen für unzurechnungsfähig erklärt wurden? Ich lasse mich gern belehren, aber spontan fällt mir nicht ein, jemals so etwas gehört oder gelesen zu haben.

Legitime Angriffe In der Meldung von Freitag beze…

Legitime Angriffe

In der Meldung von Freitag bezeichnet David Holcberg die gezielte Tötung von von Hamas-Gründer Yassin als moralische Tat. Er äußert sich nicht dazu, ob diese Tat etwa nach dem Maßstab des Völkerrechts legal ist. Man kann allerdings davon ausgehen, dass Holcberg eine etwaige Illegalität dieser Tat selbst als Unrecht bezeichnen würde, denn moralisches Handeln darf niemals kriminalisiert werden. Dies bedeutet allerdings umgekehrt auch nicht, dass der Staat jedes unmoralische Handeln verbieten sollte. Man kann sicherlich sagen, dass jemand das moralische Recht hat, Heroin zu nehmen. Ob dies eine moralische Entscheidung, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Eine Überprüfung des Kontext könnte ergeben, dass dies der Fall ist, etwa um stark Schmerzen zu bekämpfen, aber in der Regel kann man davon ausgehen, dass dies nicht so ist, weil der Konsument einfach nur „high“ sein möchte. Der Staat sollte sich aus dem Bereich der Moral aber heraushalten, sofern nicht die Anwendung von Gewalt involviert ist. Moralisches Verhalten muss frei gewählt werden. Um auf das Ausgangsbeispiel der gezielten Tötung des Hamas-Gründers zurückzukommen: Der Jurist Alan Dershowitz sieht derartige gezielte Tötungen von Terroristenführern als „völlig legal“ an. Zur moralischen Dimension des Problems gibt Dershowitz keine Stellungnahme ab, aber man kann im Kontext seiner Argumentation annehmen, dass er gezielte Tötungen auch für moralisch hält, sofern die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt. Dershowitz schreibt in einem Aufsatz in der Financial Times Deutschland: „Es kann keinen Zweifel geben, dass Israels Politik, Hamas-Führer zu töten, rechtmäßig ist. Die Hamas hat dem Land den Krieg erklärt. Alle ihre Führer sind Kämpfer in diesem Krieg, ganz gleich, ob sie Uniform, Dreiteiler oder ein religiöses Gewand tragen. Eine wirkliche Trennung zwischen dem politischen und dem militärischen Lager der Hamas gibt es nicht – ebenso wenig wie bei al-Kaida. Die offizielle Politik der Hamas ist es, unschuldige Zivilisten massenhaft zu ermorden. Die Entscheidung dazu wurde von den so genannten politischen Führern getroffen. Die USA haben Osama bin Laden und sein Kumpane zu Recht ins Fadenkreuz genommen, ebenso wie Saddam Hussein und seine Söhne. Nach dem Völkerrecht sind Kämpfer im Krieg zulässige militärische Ziele.“

Anschlag auf Hamas-Führer moralisch gerechtfertigt…

Anschlag auf Hamas-Führer moralisch gerechtfertigt

David Holcberg vom Ayn Rand Institute vertritt die Auffassung, dass die gezielte Tötung von Hamas-Führer Yassin moralisch gerechtfertigt war, ebenso wie eine gezielte Tötung von Osama bin Laden durch Amerika gerechtfertigt wäre. Yassin, der Gründer und „geistige Führer“ einer terroristische Organsiation, die verantwortlich ist für die Ermordung und Verstümmelung von Hunderten von Unschuldigen, hätte das bekommen, was er verdient habe. Die Kritik an der israelischen Aktion von ausländischen Regierungen, auch aus Europa, weist Holcberg zurück. Dadurch zeigten diese Staatsmänner nur ihren „totalen moralischen Bankrott“ und ihre scheinbar unendliche Bereitschaft, Beschwichtigung gegenüber dem Bösen zu betreiben. Wie aber die Logik nahelege und die Geschichte beweise, ermutige eine Beschwichtigung das Böse nur.

Kant kann es nicht Lindsay Perigo sieht in dem Ko…

Kant kann es nicht

Lindsay Perigo sieht in dem Konflikt zwischen Platon und Aristoteles den realen Konflikt in der Geschichte der Philosophie. Im Objektivismus sieht Perigo „Aristoteles ohne den Makel von Platon.“ Die philosophische Position von Aristotels beschreibt Perigo folgendermaßen: „Aristoteles lehrte, dass die wahre Realität diejenige ist, die wir wahrnehmen, dass die Vernunft das Mittel ist, mit dem wir sie begreifen, und dass jeder von uns die Vernunft nutzen sollte im Streben nach seinem eigenen Leben und seinem Glück.“ Obwohl Perigo im Objektivismus einen neuen, verbesserten Aristoteles sieht, gebe es keine Garantie, dass Aristoteles dieses Mal in dieser neuen Verkörperung obsiegen werde. Aber wenigstens gebe es durch den Objektivismus eine sichere Grundlage für Freiheit und Vernunft. Die Kant nicht liefern könne. Zwar schreibt Perigo, dass Kant durch seine Philosophie signifikant zu dem Kollaps der gegenwärtigen Philosophie in einen „rücksichtslosen Subjektivismus und Nihilismus“ beigetragen habe, aber andererseits sieht er auch einen „verschlungenen Hokuspokus“ bei Kant, dem schwer überhaupt Sinn abzuringen sei. Außerdem sieht Perigo bei Kant zumindest eine „schwache Begründung“ für politische Freiheit. Es ist sicherlich unbestreitbar, dass mit Kant keine Gegenposition zu Platon aufgebaut werden kann, aber Perigos Verdammung von Kant ist durchaus schwächer als bei Rand selbst.

"Kauft amerikanisch!" ist unamerikanisch In Ameri…

„Kauft amerikanisch!“ ist unamerikanisch

In Amerika ist sie schon in vollem Gange, in Deutschland beginnt sie jetzt: die „Patriotismus-Debatte“. Es geht um das sog. „Outsourcing“, das Verlagern von Arbeitsplätzen in kostengünstigere Länder.

Der Vorstandssprecher des deutschen Softwarekonzerns SAP, Henning Kagermann, hat die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verteidigt: „Wenn wir da nicht mitziehen, dann sind wir nicht wettbewerbsfähig, verlieren Marktanteile und letztendlich einen Teil der Arbeitsplätze in Deutschland. Es wundert mich, dass in der Öffentlickeit von den Verantwortlichen so wenig gewürdigt wird, dass dies ein ökonomischer Zwang ist.“ Der Vorsitzende des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, hatte sich ähnlich geäußert: „Ich empfehle den Unternehmen nicht auf eine bessere Politik zu warten, sondern jetzt selbst zu handeln und die Chancen zu nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen. Das ist letztlich auch ein Rezept zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Lehrstellen in Deutschland.“ Der Bundeskanzler war über die Äußerungen von Braun gar nicht „amused“, und sprach von einem „unpatriotischen Akt“. Bei der Bemerkung des Bundeskanzlers muss man unwillkürlich an die Meinung des britischen Schriftstellers Samuel Johnson denken, der im 18. Jahrhunderte verkündete, dass der Patriotismus die letzte Zuflucht des Schurken sei. Hinter der Aufforderung „patriotisch“ zu handeln, steht die Vorstellung, dass der Adressat der Aufforderung seine eigenen Interessen negieren und sich für das „Gemeinwohl“ aufopfern soll. Obwohl die Meinung von Ludwig Georg Braun ein provokatives Element gegenüber der Regierung beinhaltet, fehlt auch in dieser Aussage, wie auch der von Henning Kargermann, eine grundlegende moralische Bewertung gegenüber einer Strategie der Auslagerung, eine Zurückweisung der geforderten Opferhaltung. So vertritt etwa David Holcberg vom Ayn Rand Institut die Auffassung, dass die weit verbreitete Verurteilung der amerikanischen Unternehmen wegen ihrer Auslagerungsaktivitäten „keine legitime moralische Basis“ habe. Amerikanische Unternehmen hätten das „moralische Recht“ durch Geschäftsbeziehungen mit jedermann überall auf der Welt ihre Kosten zu reduzieren und ihre Profite zu maximieren. Ausnahmen will Holcberg nur für Menschen oder Unternehmen machen, die Amerika bedrohen oder die sich im Krieg mit Amerika befinden. Holcberg geht zwar auch darauf ein, wie Kargermann oder Braun, dass Unternehmen zur Auslagerung gezwungen sein könnten, um konkurrenzfähig zu bleiben, um überhaupt noch Jobs in Amerika anbieten zu können, aber zum Schluss wendet er sich wieder der moralischen Dimension des Problems zu: „Und wie die Amerikaner keine moralische Verpflichtung haben, nur amerikanische Produkte zu kaufen, so haben auch die amerikanischen Unternehmen keine moralische Verpflichtung, nur amerikanische Arbeitnehmer zu beschäftigen.“ Wenn Gerhard Schröder wirklich glaubt, dass die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland ein „unpatriotischer Akt“ wäre, müßte er dieses auch von Urlaubsreisen ins Ausland -auch nach Italien!- oder vom Kauf ausländischer Produkte behaupten. Da all diese Aktivitäten massenhaft passieren, ja, man muss vermuten, fast jeder Deutsche sich ihnen mehr oder weniger stark hingibt, muss man wohl zu dem Schluß kommen, dass alle Deutschen durch die Bank „unpatriotisch“ sind. Wer sich darüber mokiert, dann steht es in einem freien Land frei, sich anders zu entscheiden. Er kann „deutsch“ kaufen, er kann „Made in Germany“ auf seine Produkte schreiben und darauf hoffen, dass „Patriotismus“ zieht. Er kann dies tun mit den Mitteln der Überzeugung, nicht des staatlichen Zwanges. Alles andere wäre im Falle von Amerika „unamerikanisch“, oder hierzulande einfach „unfreiheitlich“.

Vergleiche dazu auch den Aufsatz Buy American“ is Un-American von Harry Binswanger. Er sieht hinter der Parole „Buy American“ eine kollektivistische Prämisse. Ökonomischer Nationalismus, wie Rassismus, bedeute Menschen und ihre Produkte nicht nach ihren Meriten zu beurteilen, sondern anhand der Gruppe, aus der sie stammen.

Politik und Kultur Matt Ballin weist auf seinem B…

Politik und Kultur

Matt Ballin weist auf seinem Blog Minority of One die Vorstellung zurück, dass die Politik ein primärer Faktor sei. Die Politik erwachse aus der Kultur und Philosophie, nicht die Kultur aus der Politik. Die Kultur sei immer der primäre Faktor: „Die Freiheit kann sich nicht erheben aus einem Sumpf von Irrationalität. Es gibt keine Abkürzung.“ Aber Ballin hält es auch für falsch, die gegenteilige Auffassung dogmatisch zu vertreten, dass die Politik die Kultur überhaupt nicht beeinflussen könne. Der Autor nimmt Bezug auf das Beispiel des vom Saddam-Regime befreiten Irak, wo durch die neue Meinungsfreiheit die Möglichkeit bestehe, andere ohne Angst vor Verfolgung zu überzeugen: „Bestenfalls könnte dies langfristig zu einer massiven Verbesserung der irakischen Kultur führen, wie es in Japan nach der Okkupation nach dem Ende des 2. Weltkrieges passiert ist.“ Solch ein Einfluss der Politik auf die Kultur sei aber nur möglich, wenn eine Nation zur „Freiheit gezwungen“ werde durch eine freiere und mächtigere Nation als sie selbst sei. In einer relativ freien Nation wie den USA lasse sich dieses Prinzip aber nicht anwenden: „Die Voraussetzungen für einen rationalen Diskurs existieren hier bereits. Ferner gibt es keine externe Macht, die in der Lage ist, Verbesserungen unseres politischen Systems durchzusetzen. Diese müssen aus einer internen Veränderung resultieren – besonders durch eine Veränderung der philosophischen Ideen, die unsere Kultur dominieren.“

Objektivismus und Liberalismus Im tschechischen D…

Objektivismus und Liberalismus

Im tschechischen Diskussionsforum von aynrand.cz schreibt Martin Sedlacek: „Der Objektivismus ist ein komplettes philosophisches System. Der Liberalismus ist ’nur‘ eine politische Ideologie.“ Der Objektivismus ist eine Philosophie, eine atheistische Philosophie, eine Philosophie, die die Naturgesetze und die Logik respektiert, deren zentraler Begriff „Vernunft“ ist. Rand sah ihre Philosophie als einheitliches Ganzes an, wo die Antwort auf die Frage, welches politische System Menschen wählen sollten, durch ihre metaphysischen, epistemologischen und ethischen Prämissen bestimmt werden. Ihr politisches Konzept fasste Rand im dem Begriff „Kapitalismus“ zusammen. In dem Aufsatz „What is Capitalism“ definierte sie den Kapitalismus folgendermaßen: „Der Kapitalismus ist ein soziales System, das auf der Anerkennung von Individualrechten unter Einschluß der Eigentumsrechte beruht und in dem alles Eigentum in privater Hand liegt. Die Anerkennung von Individualrechten hat zur Folge, daß physischer Zwang aus menschlichen Beziehungen verbannt ist: Rechte können grundsätzlich nur durch Anwendung von Zwang verletzt werden.“ Ein Problem waren für Rand Menschen, die vorgaben, für den Kapitalismus zu sein, sich aber zum Beispiel als Konservative oder Anarchisten verstanden, und Rands objektivistische Philosophie nur teilweise oder gar nicht akzeptierten. Rand räumte aber in einem Interview aus dem Jahr 1964 ein, dass es Konservative geb, sog. „libertarians“, wie zum Beispiel Ludwig von Mises und Henry Hazlitt, die den Kapitalismus auf einer „nicht-mystischen, wissenschaftlichen Basis“ verteidigten. In seinem Buch „Objectivism – The Philosophy of Ayn Rand“ schreibt Leonard Peikoff allerdings, dass die Verteidiger der Kapitalismus oft schlimmer -offen irrationaler- gewesen wären als seine Gegner. Logan Feys bemerkt hierzu, dass diese Aussage von Peikoff erstaunlich sei, denn sie bedeute, dass man irrational sein könne und ein Anhänger des polit-ökonomischen System des Kapitalismus gleichzeitig sein könne. Wenn man einmal von der Frage absieht, ob es möglich ist, den Kapitalismus auch aus einer anderen philosophischen Position als der von Rand konsequent zu verteidigen, bleibt natürlich die Frage, ob Rands Vorstellung von Kapitalismus sich ebenso auch in der liberalen -in Amerika als „libertarian“ bekannt- Bewegung findet. Eine amerikanische Zeitung sah es offenbar so und bezeichnete kürzlich das Ayn Rand Institute als „liberale“ (libertarian) Denkfabrik, obwohl das ARI den Begriff „libertarian“ meidet wie die Pest. Logan Feys sieht in seinem Aufsatz „Libertarianism – An Objective Evalutation“ im Liberalismus eine politische Bewegung, die versucht, den Umfang und die Kompetenzen des Staates signifikant zu reduzieren. Dies sei allen Liberalen, ungeachtet ihrer philosophischen Unterschied und Begründungen für ihre politischen Ziele, gemein. In Amerika würde man als von einer Bewegung für „Small Government“ sprechen, und Deutschland von einem „schlanken Staat.“ Eine solche Bewegung für einen „schlanken Staat“ könnte natürlich auch zu dem führen, was Rand als „Kapitalismus“ vorschwebte, dies muss aber in jedem Fall Gegenstand einer Überprüfung der konkreten Ausgestaltung des politischen Programms eines Kandidaten oder einer Partei sein. Man sollte sich allerdings darin erinnern, dass Rand sehr wohl davon ausging, dass man auch einen politischen Kandidaten unterstützen könne, obwohl man mit seiner kompletten Philosophie nicht übereinstimmt. Der Liberalismus ist „nur“ eine politische Bewegung, wie eingangs schon richtigerweise gesagt wurde, und sollte nicht so behandelt werden, als handele es sich um eine Philosophie.

Geisteskranke wählen Rot-Grün "Chronisch psychisc…

Geisteskranke wählen Rot-Grün

„Chronisch psychisch Kranke wählen mit überwältigender Mehrheit Rot-Grün.

Das haben Jens Bullenkamp und Burkhardt Voges vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim bei Befragungen nach den Bundestagswahlen 1994, 1998 und 2002 ermittelt (Psychiatrische Praxis, Vol. 30/8). […] Bei allen drei Wahlen wurden ‚hochsignifikante Unterschiede‘ zur Allgemeinbevölkerung ermittelt.“ Quelle: Psychologie heute, April 2004.

Anmerkung: Da die Übergänge zwischen geistig Gesunden und Geisteskranken bekanntlich fließend sind, wäre eine Untersuchung lohnend, ob bestimmte, mit Selbsttranszendenz und Altruismus einhergehende Wertehaltungen, wie vermutet, mit erhöhten Neurotizismus-Werten im „Big Five“-Persönlichkeitsprofil einhergehen. Aber welcher staatlich finanzierte Wissenschaftler findet sich schon, der eine politisch nicht korrekte Untersuchung wie diese leiten würde?

Erläuterungen: Das Big-Five-Persönlichkeitsmodell wurde entworfen von den amerikanischen Forschern Paul Costa und Robert McCrae. Sie stellten in den achtziger Jahren der Fachwelt fünf Faktoren vor, die das individuelle Profil eines Menschen maßgeblich beeinflussen – und ihr Verhalten in bestimmten Situationen erklären. Zu den fünf Faktoren gehören emotionale Sensibilität (abgekürzt durch den Buchstaben N), Extraversion (E), Kreativität (0), Anpassung (A) und Festigung (C).

Neurotizismus: Bezeichnung für eine emotionale Labilität, die den Menschen dafür anfällig macht, bei sehr großer Belastung neurotische Symptome zu entwickeln.