Die Geschichte des amerikanischen Säkularismus Ch…

Die Geschichte des amerikanischen Säkularismus

Christopher Hitchens bespricht in der Washington Post Susan Jacobys Buch A History of American Secularism und bemerkt, dass die Autorin in dieser Geschichte Figuren wie Ayn Rand und Leo Strauss unterschlägt, die er als „zwei der prominentesten intellektuellen Gurus des amerikanischen Konservatismus“ bezeichnet, und die beide, wie er richtigerweise anmmerkt, Nicht-Gläubige waren. Hinsichtlich der Geschichte des amerikanischen Säkularismus merkt Hitchens an, dass die USA das erste und einzige Land sind, das in seiner Verfassung jeden Hinweis auf eine „Höhere Macht“ unterläßt, und wie Hitchens feststellt, dies „ausdrücklich“ unterlassen hat, da dieses Thema seinerzeit auch diskutiert wurde.

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Ein Vortrag über Ethik Bei einer Veranstaltung de…

Ein Vortrag über Ethik

Bei einer Veranstaltung der Soroptimist International Club Biel-Bienne hielt die Philosophin Annemarie Pieper eine Rede, in der sie unter anderem sagte:

Wir werden nicht mit sozialer Kompetenz geboren. Von Natur aus sind wir Egoisten. Um gute Politik zu machen, müssen wir dem Egoisten in uns Schranken setzen. Dies zum Wohl aller, mit denen wir unsere Wertüberzeugungen teilen.

Die Vorstellung, dass wir als Egoisten geboren werden, ist weit verbreitet, gleichwohl falsch. Frau Pieper nennt auch keine Beweise dafür, dass dies so ist. Dem Menschen fehlt angeborenes Wissen. Er ist darauf angewiesen, dass er die Antworten auf die Fragen des Überlebens entdeckt. Dies tut es durch die Anwendung der Vernunft, seines einziges Mittels zur Sicherstellung seines Überlebens. Dieser Prozess läuft nicht automatisch ab, sondern setzt den Willen voraus, dies zu tun. Das Bewußtsein muss fokussiert werden. Auch wenn der Mensch dies tut, bedeutet dies nicht, dass der Erfolg garantiert ist. Der Mensch ist weder allmächtig noch unfehlbar. Die Erfordernisse des Überlebens werden von der Natur gesetzt, sie unterliegen nicht dem freien Willen des Menschen. Weil der Mensch die Fähigkeit hat, als sein eigener Zerstörer zu wirken, braucht er eine Ethik, einen Verhaltenskodex. Somit ist Ethik eine objektive, metaphysische Notwendigkeit für das Überleben des Menschen, abgeleitet aus den Basisaxiomen des Objektivismus. Den geborenen Egoisten soll nach Vorstellung von Frau Pieper durch Erziehung im frühen Kindesalter „soziale Kompetenz“ vermittelt werden. Was genau wir uns darunter vorstellen können, bleibt unklar. Wohlwollen? Altruismus? Wir erinnern uns: Altruismus ist die Doktrin, die behauptet, dass nur Handlungen zugunsten anderer Personen gut sind. Jedenfalls steht die „soziale Kompetenz“ im Widerspruch zu dem, was die Referentin unter einem offenbar angeborenen Egoismus versteht und somit liegt der Verdacht nahe, dass altruistische Verhaltensweisen gemeint sind. Zumal sie hofft, dass gewählte Politiker ihre „soziale Kompetenz“ auch in der Politik „umsetzen“ würden. Durch Umverteilung und Sozialstaat? Bei der Rangliste von Werten, die die Referentin nennt, fällt auch auf, dass sie die „ökonomischen Werte“ -„das Recht, durch Arbeit und Handel Werte zu erwirtschaften“- erst in den dritten Rang stellt.

„Zuoberst“ sieht sie die ethischen Werte, die sie von den moralischen und ökonomischen Werten abtrennt, und die sie folgendermaßen definiert: „Grundwerte, in denen die Menschenwürde und damit die Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit verankert sind.“ Erst darunter figurieren die „moralischen Werte“, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen sollen.

Wenn es der Zweck der Ethik ist, zu definieren, welchen Werte und Interessen ein Menschen folgen sollte, dann bleibt bei den Zuhörern von Annemarie Pieper die Erkenntnis, ihren Egoismus bekämpfen zu sollen und bei ihren Kindern möglichst frühzeitig mit der Egoismusbekämpfung zu beginnen. Der Objektivismus bejaht den Egoismus, den Frau Pieper ablehnt. Der Objektivismus geht davon aus, dass die Beschäftigung mit seinen eigenen Interessen -ein rationaler Eigennutz- das Wesen einer moralischen Existenz ist. Er geht fernerhin davon aus, dass der Mensch Nutznießer seiner eigenen moralischen Handlungen sein muss, dass Ethik objektiv, nicht subjektiv oder relativ sein muss.

Das Motto des Objectivist Center (TOC) Ein Leser …

Das Motto des Objectivist Center (TOC)

Ein Leser von noumenalself.com wirft dem Objectivist Center (TOC) Feigheit vor, weil es die Begriffe „Egoism“ und „Capitalism“ nicht verwende, sondern stattdessen „Reason, Individualism, Achievement and Freedom“ als offizielles Motto verwenden würde. Der Leser sieht hier nicht nur Feigheit, sondern auch eine totale Ablehnung des Objektivismus zugunsten von „Marketing“. Mit meinem Motto (siehe oben) wäre dieser Leser vermutlich zufrieden.

Pat Tillman: Vom Sportstar zum Anti-Terror-Kämpfer

News.de berichtet über Tod von Football-Star Pat Tillman als amerikanischer Soldat in Afghanistan:

Er hatte alles, und er gab freiwillig alles auf. Eine ganze Nation trauert um ihren Helden: Pat Tillman, 27 Jahre jung, intelligent und strahlend, ein Footballstar, der auf Reichtum verzichtete, um den Terrorismus zu bekämpfen.Tillman kam bei seinem Einsatz gegen die El Kaida in Afghanistan ums Leben. Auch viele Amerikaner, die sich nicht für Football interessieren, hatten Tränen in den Augen, als die Nachricht von seinem Tod die Runde machte und Bilder des vor Lebenskraft strotzenden und gleichwohl nachdenklich wirkenden jungen Mannes über die Bildschirme flimmerten.

Auch Ben Johnson erinnert im konservativen frontpagemag.com an Pat Tillman und nennt ihn einen Helden. Diese Bezeichnung wirkt nicht störend für mich, weil sie für Menschen für Tillman zutrifft. Wir sollten tiefe Dankbarkeit dafür empfinden, dass es solche Menschen gibt. Was mich stört, ist der Hinweis auf Mel Gibsons Film Die Passion Christi und die Auffassung, Pat Tillman habe sich „geopfert“. Niemand würde auf die Idee kommen, diesen Ausdruck zu verwenden, hätte er einen tödlichen Sportunfall erlitten. Tillman hat freiwillig ein Leben für sich gewählt, dass mit einem Risiko verbunden war, aber es war ein Leben, das seiner Vorstellung von Glück entsprach. Er gab keineswegs alles auf. Wenn unsere einzige oder erste Sorge daraus besteht, physisch zu überleben, müßten wir Werte aufgeben und in letzter Konsequenz sogar ein Leben ohne Werte führen. Liebe und Beruf sind die entscheidenden Werte im Leben eines Menschen und oft genug müssen Menschen für diese Werte kämpfen. Ein Kampf schließt aber die Möglichkeit des Scheiterns ein. Nathaniel Branden bezeichnet in einem Beitrag für die Zeitschrift The Objectivist Newsletter aus dem Jahr 1964 denjenigen, der unter allen Umständen seine physischen Selbsterhaltung über alle anderen Werte stellt, als einen „elenden Verräter am Leben“: „Ein rationaler Mensch geht nicht sinnlos Risiken ein, er versucht nicht das Unmögliche, er schwelgt nicht in grandiosen, leeren Gesten, die in seiner eigenen Zerstörung resultieren können, aber wenn wichtige Werte auf dem Spiel stehen, dann akzeptiert er die Tatsache, dass das Riskieren seines eigenen Lebens notwendig sein kann.“

Die Leidenschaft und die Wut Robert Tracinski, He…

Die Leidenschaft und die Wut

Robert Tracinski, Herausgeber der objektivistischen Zeitschrift The Intellectual Activist, sieht in Mel Gibsons kommerziell ungewöhnlich erfolgreichem Film Die Passion Jesu eine Propagierung der Moral des Altruismus, der Anbetung des Leidens. Altruismus sei zwar die dominante, universell akzeptierte Moralphilosophie, aber die Bedeutung des Altruismus werde in Gibsons Film „zu klar, zu direkt, zu konkret“ ausgedrückt. Viele Kritiker stoßen sich an der zu graphischen Darstellung der Leiden Jesu, die keinen Raum für die „spirituelle Botschaft“ des Christentums lasse. Für Tracinski besteht die „spirituelle Botschaft“ aber eben aus dieser Art von „blutiger Selbstaufopferung“, die der Film zeigt. Auch die säkulare Linke ist bei ihrer Kritik des Film ausgesprochen oberflächlich, weil sie gar nicht in der Lage ist, die fundamentale moralische Botschaft des Films herauszufordern und abzulehnen. So nannte der Filmemacher Michael Nozik den Publikumserfolg von Die Passion Christi einen „beängstigenden Kommentar“ des Publikums. Nozik selbst hat gerade einen Film über Che Guevera produziert (The Motorcycle Diaries), in dem er das Leben dieses kommunistischen Massenmörders glorifiziert. Was sollte ihn also dazu veranlassen, eine positive Publikumsreaktion auf die Verfilmung des Lebens eines religiösen Fanatikers als beängstigend zu empfinden?

Empfehlungen Die von mir eingerichtete Kategorie …

Empfehlungen

Die von mir eingerichtete Kategorie „Blogs“ soll Empfehlungen für deutschsprachige Blogs geben, die sich in den Bereichen Philosophie, Politik und Psychologie tummeln, und gewisse Parallelen zu der grundlegenden Ausrichtung dieses Blogs aufweisen. Der erste Empfehlung möchte ich aussprechen für den sehr produktiven und informativen Wuldorblogger. Für weitere Hinweise auf interessante deutschsprachige Blogs wäre ich den Lesern natürlich sehr dankbar. Desweiteren möchte ich auf meine Liste mit empfehlenswerten Filmen verweisen, die mit Ausnahme der ersten drei Filme auf der Liste der 100 besten Filme des objektivistischen Films-Fans Robert Bidinotto beruht. Die Liste ist natürlich etwas kürzer geworden als die ursprüngliche von Bidinotto, da ich mich auf die bei Amazon angebotenen deutschsprachigen Versionen beschränkt habe, aber für denjenigen, der seine DVD-Sammlung ergänzen oder eine solche aufbauen möchte, gibt es sicherlich jede Menge Anregungen. Gestern lief übrigens der sehr schöne Film Gattaca, der auch auf der Liste steht, auf Pro Sieben. Bei den Buchempfehlungen finden die deutschsprachigen Bücher bei den Lesern dieses Blogs weitaus mehr Interesse als die englischsprachigen, was die Klick-Bilanz von Amazon eindrücklich belegt. Raketen gegen Steinewerfer und Macht und Ohnmacht wurden am häufigsten angeklickt. Loving Life von Craig Biddle steht übrigens nicht zufällig oben auf der Liste der empfehlenswerten Bücher, sondern deshalb, weil der Autor eine kurze und prägnante Darstellung der objektivistischen Ethik liefert, die für jeden Einsteiger in dieses Gedankengebäude eine hervorragende Hilfestellung für weitere Studien darstellt. Und die sprachliche Darstellung setzt sicherlich auch kein Anglistikstudium voraus. Danke auch an die Leser, die Bücher bei Amazon über diesen Blog gekauft haben!

Ein Japaner in Arabien Für Araber scheint Japan e…

Ein Japaner in Arabien

Für Araber scheint Japan eine besondere Faszination zu haben, weil dieses Land den Eindruck erweckt, moderne Technologie lasse mit sich mit einer anti-westlichen Kultur kombinieren. In einem Artikel einer arabischsprachigen Zeitschrift bespricht der Autor Muhammad Al-Rumayhi das Buch „Die Araber: Eine japanische Sichtweise“ von Nobuaki Notohara (eine deutsche Übersetzung des Artikels in Auszügen gibt es hier), einem japanischen Wissenschaftler, der seit Jahrzehnten im Mittleren Osten lebt, wobei er auf diese Faszination zu sprechen kommt:

„Immer wenn sich Araber auf einer wissenschaftlichen oder kulturellen Konferenz treffen und die Rede auf Japan kommt, vergleichen die meisten Teilnehmer den erfolgreichen Aufstieg (arab. Nahda/Renaissance) Japans mit dem nur ersehnten Aufschwung der Araber. Es heißt dann, dass Japan in der Moderne ankommen und gleichzeitig seine Gesellschaftskultur bewahren konnte. Offenbar ist dies die gängige Einschätzung unter den arabsichen Beobachtern, denen sie als Apologie oder Rechtfertigung dient, die darauf abzielt zu sagen: ‚Man kann ins Zeitalter der Modernisierung, der Globalisierung und Produktivität eintreten, ohne sein kulturelles Erbe, traditionelle politische Strukturen sowie allgemeine und besondere Verhaltensmustern, die nicht in die Moderne passen, aufgeben zu müssen.‘

Aber Al-Rumayhi stellt diese Sichtweise in Frage:

„Wenn man ihnne aber entgegenhält, dass die Japaner ins neue Zeitalter vorgedrungen sind, gerade weil sie ihre Kultur und ihre vertrauten Verhaltensmuster verändert und neue Ideen angenommen haben, reagieren manche überrascht und abwehrend. (…)

Und jetzt erscheint mit Nobuaki Notohara ein Japaner auf der Bildfläche und vertritt in seinem in hervorragendem Arabisch geschriebenen Buch genau das Gegenteil von dem, was einige Araber so denken. Gleich nach der Lektüre dieses Buches dieses Buches hatte ich den Gedanken, dass es von jedem arabischen Politiker gelesen werden sollte, der meint, dass Reformen in unserer arabischen Region immer noch möglich sind.“

Im Rest der Besprechung ist bedauerlicherweise eine ziemlich verworrene Analyse des Zustandes der arabischen Welt, mit besonderer Betonung der politischen Unterdrückung in diesen Ländern, als sei dies des Pudels Kern der arabischen Misere. Es fehlen Hinweise auf die zentrale Bestandteile dessen, war wir als Westliche Zivilisation bezeichnen, wie Vernunft oder individuelle Rechte. Aber der Autor läßt keinen Zweifel daran, dass sich Japan von „vielen seiner alten Werte getrennt“ hat und dass das „arabische Wertesystem“ ebenfalls einer Erneuerung bedarf.

Die Zeichen des Kapitalismus im Irak Daniel Pipes…

Die Zeichen des Kapitalismus im Irak

Daniel Pipes fordert in einem Artikel für die New York Sun den Rückzug der amerikanischen Besatzungstruppen aus den großen Städten des Irak und schließlich aus dem gesamten Land. Vor allem zwei Faktoren sind es, die Pipes für den anti-amerikanischen Terror im Land verantwortlich macht: Zunächst seien die Iraker anders als die Deutschen und Japaner am Ende des 2. Weltkrieges nicht militärisch geschlagen worden, sondern hätten sich befreit gefühlt. Außerdem seien sie als Moslems nicht bereit, sich von Nicht-Moslems beherrschen zu lassen: „Für Muslime ist die Beherrschung durch einen Nicht-Muslim eine Abscheulichkeit, eine blasphemische Verdrehung von Gottes Erlass.“ Pipes unternimmt dann einen Streifzug durch die Geschichte, um seinen Lesern zu zeigen, wie eindrucksvoll sich die Moslems allen Beherrschungsversuchen von Nicht-Moslems widersetzten. Worauf Daniel Pipes allerdings nicht eingeht, ist die konkrete Situation im Irak des Jahres 2004. Wer sich die Ausführungen von Pipes nur mit den Fernsehbildern dieser Tage aus dem Irak ergänzt, kann ihnen eine gewisse Logik und Konsistenz nicht absprechen, wenn auch die Vorstellung, dass das Gefühl der Befreiung nicht in eine Dankbarkeit, sondern in einen Hass auf den Befreier mündet, doch etwas seltsam wirkt. Aber wollen „die Iraker“ tatsächlich eine amerikanische „Beherrschung“ abschütteln? Jüngste Meinungsumfragen aus dem Irak belegen dies nicht. Pipes Analyse steht auch in einem augenfälligen Kontrast zu den Schilderungen, die Robert Alt vom John M. Ashbrook Center for Public Affairs an der Ashland University auf nationalreview.com über die Situation im Irak macht, den er zur Zeit für vier Monate besucht. Alt schreibt über die Aufregung und Freude der Iraker, wenn sie erfahren, dass er aus Amerika sei. Sofort wird gefragt, aus welcher Gegend Amerikas er denn komme und immer wieder gebe aus den Ausruf: „I love America.“ Ohne dazu ermuntert worden zu sein, erzählen ihm dann seine irakischen Gesprächspartner von ihrem schlimmen Leben unter Saddam Hussein. Alt beobachtete nicht nur eine allgemeine Verbreitung von westlichen Produkten, sondern auch eine starke Verbreitung westlicher Kultur, augenfällig besonders bei der Bekleidung. Vor allem junge Frauen verzichten auf das traditionelle irakische Gewand zugunsten von stärker figurbetonter Bekleidung. „Überall in Bagdad“, schreibt Alt, „sieht man Zeichen des Kapitalismus.“ Und er schreibt darüber, wie weit dieses Land doch in nur einem Jahr auf der Straße der Freiheit und des Kapitalismus vorangekommen sei. Ein bißchen mehr Optimismus, Mr. Pipes!