Amerikanische Objektivisten diskutieren: Bush oder…

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Oktober 17, 2004 von wolfgang

Amerikanische Objektivisten diskutieren: Bush oder Kerry

Nachdem Leonard Peikoff seine Entscheidung zugunsten von John Kerry verkündet hat, war es natürlich keine Überraschung, dass recht viele amerikanische Objektivisten ihm folgen würden, womit ich ich selbstverständlich nicht behaupten möchte, dass nicht jeder von diesen potentiellen Kerry-Wählern ein wohl abgewogenes und unabhängiges Urteil gefällt hat. Ich muss zugeben, dass mich die Argumente der objektivistischen Kerry-Unterstüzer bis dato nicht überzeugt haben. In der Regel wird von den konkreten Kandidaten abstrahiert und eine philosophische Diskussion um die Gefährlichkeit von Religion geführt und die Unvereinbarkeit von Objektivismus und Religion. Bei der Auswahl eines politischen Kandidaten sollten allerdings vorrangig seine politischen Ansichten und Aktionen unter die Lupe genommen werden, was nicht bedeutet, dass Philosophie bedeutungslos wäre. Philosophie ist von Bedeutung, und genau deshalb stehen in den USA auch die Kandidaten Bush und Kerry in der engeren Auswahl um den Job des Präsidenten, und nicht etwa Dr. Peikoff und Mr. Badnarik von der Libertarian Party. Sicherlich ist es richtig, dass Religion sich im Aufschwung in Amerika befindet und dass deshalb Präsident Bush sich zunehmend religiöser Floskeln bedient und Religion nicht mehr auschließlich als Privatsache behandelt, wie es etwa noch Präsident Kennedy tat. Es ist aber falsch, sich auf die angebliche oder tatsächliche Philosophie einzelner Kandidaten zu stürzen, um dementsprechend seine Wahlentscheidung zu begründen. Sollte Bush tatsächlich für eine Theokratie stehen, d. h. eine spezifische Form einer diktatorischen Herrschaft, wäre dies im einzelnen zu begründen und würde natürlich einem Gegenkandidaten, der weniger kollektivistisch wäre, einen Bonus geben. Ich würde auch für Kerry stimmen, wenn der Gegenkandidat Hitler oder Väterchen Stalin heißen würde. Da ich dies allerdings bislang in den Analysen nicht entdecken kann, sehe ich aufgrund des klarer akzentuierten Kollkektivismus bei Kerry den Vorteil auf der Seite von Bush. Hier gibt einen objektivistischen Blogger, der sich dazu bekennt, dass er Bush wählen möchte. Die Wahl von Kerry würde ein falsches Signal an die Terroristen, die islamische Welt und an die zivilisierte Welt senden, schreibt Bill Brown. In der Tat ist Bush, der „Cowboy“, das Symbol für das wehrhaftige Amerika, nicht etwa Kerry, auch wenn dieser versucht sich im Wahlkampf einen anderen Anstrich zu geben, etwa indem er sich beim Nominierungsparteitag der Demokraten militärisch-zackig „zum Dienst“ meldet. Tatsächlich steht Kerry für „Rückzug und Passivität“, wie Robert Tracinski in der jüngsten Ausgabe seiner Zeitschrift The Intellectual Activist schreibt. Außerdem kann der Dreißigjährige Brown den Plänen von Präsident Bush zur teilweisen Privatisierung der Rentenversicherung etwas abgewinnen. Auch mag er die Steuerkürzungen, die Bush durchgesetzt hat. Brown hatte allerdings auch ernsthaft erwogen, Kerry aufgrund dessen positiver Einstellung zur Stammzellenforschung zu wählen, wohingegen Bush diese Forschung aus religiösen Gründen beschränken oder verbieten wolle. Zu dem Thema Stammzellenforschung siehe allerdings auch die Stellungnahme von Robert Bidinotto, der die Position von Bush dahingehend erläutert, dass dieser nur wolle, dass das Geld von Steuerzahlern nicht in die Stammzellenforschung fließe. Schließlich setzt er sich auch mit Peikoffs zentralem Argument einer bevorstehenden Theokratie auseinander, sollte Bush wiedergewählt werden. Zunächst weist er darauf hin, dass, wenn die Theokratie so unmittelbar drohe, dass nur noch vier weitere Jahre Bush notwendig wären, um sie zu etablieren, dann ohnehin an diesem Trend nichts geändert werden könne. Allerdings, und dies scheint mir auch der zentrale Aspekt zu sein, sieht Brown bei den fundamentalistischen Christen überhaupt nicht den Wunsch, überhaupt eine Theokratie zu etablieren. Brown macht allerdings klar, dass er in Bush auch nur das kleinere von zwei Übeln sieht und er für 2008 auf eine Kandidatur von Steve Forbes hofft.

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