Bauern fühlen sich als Opfer Das heutige kostenlos…

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Mai 1, 2005 von wolfgang

Bauern fühlen sich als Opfer
Das heutige kostenlose Anzeigenblättchen informiert seiner Leser darüber, dass die deutschen Bauern sich als „Opfer“ fühlen, weil sie für ihre Milch keine „fairen“ Preise mehr bekommen würden. Aber was ist „fair“ für die Bauern? „Fair“ sollen die Preise dann sein, wenn „zumindest“ die betrieblichen Kosten gedeckt wären, die zur Zeit bei 32 bis 36 Cent je Liter lägen. Abgesehen einmal davon, dass es kaum sinnvoll sein kann, auf dem Markt nur seine Betriebskosten zu realisieren – d. h. ohne Profit zu produzieren- vertreten die Bauern auch einen Begriff von Fairness, der keine objektive Grundlage hat. „Fair“ bedeutet in einem ökonomischen Sinn ehrlicher, freier Handel. Fair ist demnach der Preis, den mein Handelspartner bereit ist, zu akzeptieren. Es ist nun einmal nicht so, dass mein Reichtum unter kapitalistischen Bedingungen nur davon abhängt, was ich selbst an produktiver Energie in meine Produkte investiere, sondern auch davon, inwieweit andere Marktteilnehmer meine Produkte anerkennen. Dabei hat diese Anerkennung nichts damit zu tun, ob jemand seine Einstandskosten realisieren kann oder ob er einen niedrigen oder hohen Profit erzielt. Diese „Fairness“ kann es auf freien Märkten niemals geben. Märkte geben niemals die Garantie dafür, dass meine Betriebskosten wieder hereingeholt weden können oder das ein Profit realisiert werden kann. Wie oft hören wird davon, dass Filme ihre Produktionskosten nicht wieder einspielen konnten. Dies bezeichnet man gewöhnlich als „Flop“. War es „unfair“, wenn die Kinobesucher diesen Film gemieden haben? Tastsächlich riecht der Protest der Bauern förmlich danach, dass sie eben keine „fairen“ Preise anstreben, sondern eine zwangsweise Preisfestsetzung durch den Staat als moralisch gerechfertigt ansehen würden – als würden Filmproduzenten fordern, dass der Staat ihnen bei jedem Film zumindest die Produktionskosten garantiert oder die Kinobesucher zwangsweise in die Kinos treibt. Dabei beklagen sie sich die Bauern über die Marktmacht des Handels, als hätten sie, die Produzenten, keine Marktmacht. Sie sind die Produzenten, ohne sie gebe es dieses Produkt gar nicht. Sie können diese Marktmacht einsetzen, aber sie sollten nicht so tun, als wären die Märkt moralisch verpflichtet, ihnen den Preis zu garantieren, den sie sich wünschen. Aber die deutschen ,und ebenso ihre europäischen Berufskollegen, sind durch die jahrzehntelange Praxis des europäischen Agrarsozialismus so daran gewöhnt, in Kategorien jenseits jedweder Marktgerechtigkeit zu denken, dass sie Forderungen im Brustton moralischer Überzeugung aufstellen, die jeder Gerechtigkeit ins Gesicht schlagen.

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