Die "Nachvollziehbarkeit" der Atombombenabwürfe Am…

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August 6, 2005 von wolfgang

Die „Nachvollziehbarkeit“ der Atombombenabwürfe
Am Montag in DIE WELT widmet sich Sven F. Kellerhoff dem Thema der Atombombenabwürfe auf Japan vor 60 Jahren, wobei er zu dem Urteil kommt, dass die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki moralisch „ein ungeheures Verbrechen“ bleibt, „historisch-politisch“ aber „nachvollziehbar“ erscheint. Diese Einschätzung ist ausgesprochen verwirrend, denn der Autor arbeitet nicht heraus, warum Truman denn moralisch derartig falsch liegen konnte, wo er doch „nachvollziehbar“ handelte. Immerhin räumt Kellerhoff ein, dass Trumann „bereit war, weitere amerikanische Opfer um jeden Preis zu vermeiden.“ Gerade die Motivation, amerikanische Opfer „um jeden Preis“ zu vermeiden, würde doch Truman ganz oder teilweise moralisch entlasten. Immerhin war Truman der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte, dem genau dies oblag. Kellerhoff deutet auch nicht an, welche Entscheidung von Truman moralisch makellos gewesen wäre. Hätte Truman auf eine Invasion der japanischen Inseln setzen sollen, wo doch gerade die kurz vorher erfolgte konventionelle Eroberung der Insel Okinawa große Verluste auf amerikanischer Seite gefordert hatte? Und hätte die amerikanische Bevölkerung Truman eine höhere Moral abgenommen, wenn sie gewußt hätte, dass das Gemetzel von Okinawa hätte vermieden werden können durch den Einsatz der Atombomben gegen Japan? Vermutlich ist es so, dass Kellerhoff Truman rational-egoistische Motive für den Atombenabwurf unterstellt, aber für ihn Moralität ohne altruistische Aufopferung gar nicht vorstellbar erscheint, weshalb er eine „Nachvollziehbarkeit“ der Gründe unterstellt, aber jedwede Moralität bestreitet.

Anmerkung: Siehe auch Kellerhoffs Artikel über zwei Fernsehdokumentationen, die mit folgenden Worten beginnen: “ An Klarheit war die Warnung kaum zu überbieten: „Unverzügliche und vollkommene Zerstörung“ („prompt and utter destruction“) drohte US-Präsident Harry S. Truman dem Kaiserreich Japan am 26. Juli 1945 an, wenn seine Streitkräfte nicht bedingungslos kapitulierten. Binnen kurzem wies die Regierung in Tokio das Ultimatum zurück. Niemand in Japan konnte sich vorzustellen, was „unverzügliche und vollkommene Zerstörung“ bedeuten sollte.“

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