Kantianer und ihre verzerrte Wahrnehmung

Kantianer und ihre verzerrte Wahrnehmung

Kantianer behaupten, der Mensch könne nicht verzerrungsfrei wahrnehmen. Dabei sind es sie selbst, die nicht verzerrungsfrei wahrnehmen wollen. Sie haben eine Wunschvorstellung und richten dann die Wahrnehmung an dieser Wunschvorstellung aus: sie nehmen das wahr, was diese Wunschvorstellung stützt; sie ignorieren alles, was diese Wunschvorstellung unhaltbar machen würde. Eine objektive Wahrnehmung würde ihre falsche Wunschvorstellung zerstören und das können sie auf keinen Fall zulassen. Sie vertreten das Primat des Bewußtseins: „Das Primat des Bewußtseins ist das Primat der Wünsche.“ ; es ist „die Ansicht, das Universum habe keine unabhängige Existenz, daß sie ein Produkt eines Bewußtseins ( entweder eines menschlichen oder göttlichen, oder von beiden ) ist. Die epistemologische Folgerung ist die Ansicht, daß der Mensch Wissen über die Realität dadurch gewinnt, daß er nach Innen sieht ( entweder in sein eigenes Bewußtsein oder auf Offenbarungen, die es von einem anderen, höheren Bewußtsein erhält ).“ „Sie wollen, daß ihr Bewußtsein kein Instrument zum Wahrnehmen ist, sondern dazu dient, Existenz zu schaffen und daß Existenz nicht das Objekt, sondern das Subjekt ihres Bewußtseins ist – sie wollen der Gott sein, den sie in ihren Vorstellungen … geschaffen haben, der ein Universum aus dem Nichts nach willkürlichen Launen schafft. Aber die Realität kann nicht betrogen werden. Was sie erreichen, ist das Gegenteil ihres Wunsches. Sie wollen Allmacht über die Existenz; stattdessen verlieren sie die Fähigkeiten ihres Bewußtseins. Durch die Weigerung zu wissen, verdammen sie sich zum Horror ständigen Nichtwissens.“

Zur Motivik, die dahintersteckt: „Das Motiv aller Angriffe auf die rationale Fähigkeit des Menschen – ist eine einzige versteckte Prämisse: der Wunsch, das Bewußtsein vom Gesetz der Identität auszunehmen.“ „Die metaphysische Unterlegenheit dieser Welt ist eine [fadenscheinige Begründung] für den Haß auf die Realität. Die Ansicht, Vernunft sei unfähig dazu, die Realität wahrzunehmen und sich nur mit „Erscheinungen“ zu befassen, ist eine [fadenscheinige Begründung] für den Haß auf die Vernunft. … Die metaphysische Überlegenheit der noumenalen Welt ist eine [fadenscheinige Begründung] für die Überlegenheit von Gefühlen, denen damit die Fähigkeit gegeben wird, das Unerkennbare auf unbeschreibliche Weise zu erkennen.“

Einen Einblick in die mentalen Folgen einer solchen Gedankenwelt eines Kantianers liefert JamesTaggart in Atlas Shrugged: „Und er sah sich vor einem neuen gähnenden Loch, das in eine neue Sackgasse führte, die zu Ende zu gehen er nicht wagen durfte. Ich will irgend etwas tun ! Schrie er innerlich in eine echolose Leere. Er begehrte gegen den Sog verbotener Gedanken auf und gegen eine unbekannte böswillige Macht, die ihn keine Freude finden ließ ohne den Zwang zu fragen, was er suchte und warum. Was willst Du ? fragte ihn eine verhaßte Stimme im Takt seiner Schritte, und er ging schneller, ihr zu entfliehen. Sein Gehirn schien ihm ein Labyrinth , in dem sich an jeder Ecke eine Sackgasse öffnete; und jede führte in einen Nebel, der einen Abgrund verbarg. Ihm war, als liefe er um sein Leben, während der sichere Grund unter ihm zusehends weiter schrumpfte und bald nichts mehr übrig lassen würde als diese Sackgassen. Und die Helligkeit der Straße schwand, während Dunst aus den Querstraßen sich immer näher heranwalzte. Warum mußte der Bereich seiner Sicht immer enger werden ? dachte James in panischer Angst. Er wußte es nur allzu gut. So hatte er immer gelebt, die Augen stur immer nur auf das sichere Pflaster vor seinen Füßen gerichtet, jeden Blick auf seinen weiteren Weg, auf Abzweigungen, Steigungen und Gefälle verstohlen vermeidend. Er hatte nie bewußt und mit Vorbedacht irgendwohin gehen wollen; er hatte frei sein wollen von dem Befürfnis, vorwärts zu kommen, frei von dem hypnotischen Zwang einer geraden Linie; er hatte nie den Wunsch gehabt, seine Jahre zusammenzuzählen. Aber welche Macht hatte sie dennoch zusammengezählt.“

Sein Bewußtsein hat es zusammengezählt. Taggart hat sein Leben lang versucht, Identität zu verneinen: die Identität von Gegenständen und die Identität seines Bewußtseins; er hat versucht, ohne eigene Identität zu leben. Neben der Identität hat er auch versucht, Kausalität zu leugnen. Wenn er das Primat des Bewußtseins aufrechterhalten will, muß er Tatsachen ignorieren. Damit hat er sich die Wirklichkeit zum Feind gemacht. Er muß sein Bewußtsein von der Wirklichkeit trennen. In einer Unterhaltung mit Cherryl sagt er, womit er versucht, seine Wahrnehmung zu ersetzen: „Ich fühle die Dinge.“ Er versucht also, anstelle der Wahrnehmung seine Gefühle zu setzen. Zur Auffassung seiner eigenen Identität sagt Taggart: „Ich will nicht wegen etwas geliebt werden, ich will um meiner selbst willen geliebt werden, nicht wegen etwas, das ich tue oder habe oder sage oder denke. Um meiner selbst willen, nicht um meines Körpers, meines Verstandes, meiner Worte, meiner Arbeit, meiner Leistung willen.“ Was ist sein Selbst ? Er sieht es außerhalb seines Körpers und außerhalb seines Bewußtseins; es ist sein „eigentliches Ich“, sein übernatürliches kantianisches Ich. Eine Definition dafür gelingt natürlich nur in einer Negation: das, was nicht sein Körper, sein Verstand, usw ist.

Auch Cherryl erkennt, daß er versucht, ohne eine eigene Identität zu sein: „Du willst als ein Mann wie Hank Rearden gelten, ohne zu sein, was er ist und wie er ist, ohne die Notwendigkeit, überhaupt etwas zu sein, ohne die Notwendigkeit, überhaupt zu sein.“ Cherryl gibt eine Beschreibung, wie eine kantianische Welt aussieht: „als ob nichts mehr eine feste Form hätte und nichts mehr seine Form halten könnte; als würden Steine, die Du anfasst, nachgeben wie Gallert; als ob Berge zerliefen und Häuser ihre Form verändern wie Wolken; als ob die Welt untergehen wollte, doch nicht in Feuer und Schwefel, sondern in Schlamm.“

Und hier das gerechte Ende eines Kantianers; James Taggart am Ende von Atlas Shrugged: „Und dann schrie Taggart. Es war ein langer, durchdringender Schrei wie bei einem plötzlichen, grauenvollen Anblick, obwohl seine Augen wie blind ins Leere starrten. Was er sah, war in ihm. Die schützenden Wände von Gefühlen, Ausflüchten, Selbsttäuschungen, halben Gedanken und falschen Worten, die er in sich errichtet hatte, waren im Bruchteil einer Sekunde zusammengestürzt … im gleichen Augenblick, da er erkannte, dass er Galt sterben lassen wollte, obwohl er wußte, daß er ihm in den Tod folgen würde. Er sah plötzlich das Motiv, das alle Handlungen seines Lebens bestimmt hatte. Es war nicht seine unmittelbare Seele oder seine Liebe zu anderen oder sein soziales Pflichtbewußtsein oder irgendein anderes seiner falschen Gefühle gewesen, durch die er seine Selbstachtung aufrechterhalten hatte: es war die Lust gewesen, zu zerstören, was lebte, um dessentwillen, was nicht existierte. Es war der Zwang gewesen, der Wirklichkeit zu trotzen durch die Zerstörung aller lebendigen Werte, um sich selbst zu beweisen, daß er der Wirklichkeit zum Trotz leben konnte und nie gebunden war an harte, unverfälschbare Tatsachen. Vor einem Augenblick noch war er fähig gewesen, zu fühlen, daß er Galt über alles haßte, daß dieser Haß ein Beweis für Galts Schuld war, die er nicht näher zu definieren brauchte, daß er Galt vernichten wollte, um selbst überleben zu können. Jetzt wußte er, daß er Galts Vernichtung um den Preis seiner eigenen Vernichtung wollte, wußte, daß er nie hatte überleben wollen, daß es Galts Größe gewesen war, die er hatte demütigen und zerstören wollen. Er sah diese Größe als etwas, das er selbst anerkennen mußte, als eine Größe nach einem Maßstab, der galt, ob man ihn anerkannte oder nicht: die Größe eines Menschen, der Herr der Wirklichkeit war in einem Maße und auf eine Weise, wie niemand es bisher erreicht hatte. In dem Augenblick, da er, James Taggart, sich vor die Alternative gestellt sah, die Wirklichkeit anzuerkennen oder zu sterben, hatten seine dunklen Triebe den Tod gewählt, den Tod anstelle der Hingabe an jenes Reich, dessen leuchtender Sohn Galt war. In der Person Galts, er wußte es jetzt – hatte er alle Existenz zu zerstören gesucht.
Diese Erkenntnis offenbarte sich seinem Bewußtsein nicht in klaren, in Worte faßbaren Begriffen; wie sein Bewußtsein immer aus Gefühlen bestanden hatte, so wurde er auch jetzt beherrscht von einem Gefühl und einer Vision, die zu bannen er nicht die Macht besaß. Er war nicht länger fähig, den Nebel zu beschwören, um den Blick auf jene Sackgassen zu verhüllen, die zu sehen er sich immer gewehrt hatte: Jetzt sah er am Ende aller dieser Sackgassen seinen Haß auf das Leben; er sah das Gesicht Cherryl Taggarts, und ihre freudige Lebensbejahung, und daß es diese Lebensbejahung gewesen war, die er in ihr zerstören wollte; er sah sein eigenes Gesicht als das Gesicht eines Mörders, den alle Menschen mit Recht hassen mußten; der Werte zerstörte, weil sie Werte waren, der tötete, um seinen eigenen Unwert nicht zu erkennen.“

( Ideen und Texte kreuz und quer zusammengestohlen aus Texten von Ayn Rand )

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