Stauffenberg statt Guevara

Carlos Gebauer in eigentümlich frei über Che Guevara und Claus Schenk von Stauffenberg. So unwohl ich mich fühle, wenn  Gebauer Oberst von Stauffenberg als „konsequenten Individualisten“ bezeichnet, so würde ich ihm Recht geben, Stauffenberg moralisch über den südamerikanischen Revolutionär zu setzen, denn immerhin starb Stauffenberg als Freiheitskämpfer -ob dies ausreichend dafür ist, alles, was er vorher getan hat, auszulöschen, ist eine andere Frage-, etwas, was Che Guevara niemals war. 

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Vernunft statt Nirvana

Der Besuch des Dalai Lama in Deutschland ist vorüber und er hinterläßt eine Presseberichterstattung, die seine PR-Abteilung -wenn er denn eine solche hätte- zu Begeisterungsstürmen veranlassen müßten. Fast ausnahmslos wird der Dalai Lama, und der Buddhismus in seinem Schlepptau, in den rosigsten Farben dargestellt. Die WELT wagt es, ein wenig Realismus in dieses Zerrbild einzufügen:

Es ist unglaublich, fast unheimlich, mit welcher Ignoranz die treuherzigen Deutschen den Dalai Lama (..) als „Jesus der Neuzeit“ anbeten. (…)

Die vielfachen irrationalen, berauschenden, grausamen, düsteren und apokalyptischen Aspekte des Lamaismus sind in der großen Öffentlichkeit wenig bekannt. Sie werden vom Dalai Lama und seinen Anhängern verschwiegen, verstellt oder verharmlost. So kann der „Herr des Weißen Lotos“ schmunzelnd an die naiven und ignoranten Westler deren eigene, in jahrhundertlangen Kämpfen errungenen humanistischen Werte verteilen, verpackt als „wunscherfüllende Juwelen“ aus dem Himalaja, wo es diese hu- manistischen Juwelen nie gegeben hat.

Die Tortur der Tour

Die Tour de France ist vorbei und sie hatte natürlich auch einen Sieger, aber das alles überstrahlende Thema war zweifellos Doping. Ehrlich gesagt: Ich mag Doping nicht und den Ausschluss des führenden Fahrers Rasmussen habe ich mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen.  Dass ich Doping nicht mag, hat nichts damit zu tun, dass es „künstlich“ wäre – etwa wie Herzoperationen oder Kaiserschnittgeburten-, sondern ausschließlich damit, dass Sport ohne Regeln nicht funktionieren kann, nicht die harmlose Kickerei von Freizeitfussballern und erst recht nicht der moderne Profisport. (siehe hierzu die offenbar gegenteilige Meinung von Tibor Machan). Hanspeter Born schreibt dazu in der WELTWOCHE:

Ein Grundwert des Sports ist Fairness oder zumindest Waffengleichheit. Wer sich mit unlauteren medizinischen Mitteln einen Vorteil verschafft, ist ein Betrüger. Doping ist auszurotten, und wer ihm den unerbittlichen Kampf angesagt hat, wie dies beispielsweise die NZZ verdienstvollerweise jeden Tag tut, verdient Lob.

Irak – ein Test, der bestanden werden muss

Der Konservative Jonah Goldberg macht sich Gedanken über das, was mit den Irakern passiert, falls die amerikanischen Truppen das Land verlassen sollten. Robert Tracinski erwähnt in seinen beiden Aufsätzen zum Thema Irak (The Intellectual Stakes of the Iraq War und Iraq is a Test We Cannot Fail) diese Problematik überhaupt nicht, sondern schildert die verheerenden Folgen eines Abzuges auf der einen Seite und die positiven Seiten eines militärischen Erfolges im Irak auf der anderen Seite – für den Westen:

Die Terroristen wissen bereits, dass sie einen konventionellen, handfesten Kampf nicht gewinnen können. Ein Sieg im Irak würde ihnen mitteilen, dass sie auch einen Aufstand nicht gewinnen können.

Zu den beiden Artikeln von Tracinski hat Noumenalself einige kritische Bemerkungen gemacht -und ich denke, dass einige davon durchaus zutreffend sind: hier und hier.

Francisco G. ist nicht länger ein Libertärer

Francisco Gutierrez vesteht sich nicht länger als Libertärer, wie er auf seinem Blog schreibt, sondern will sich in Zukunft, je nach Kontext, als Kapitalist oder Objektivist bezeichnen. Libertäre sagten zwar, dass sie für Freiheit seien, sie würden den Begriff aber nicht definieren. Der Typ von Freiheit, den er sich wünsche, sei durch den Objektivismus definiert:

„Um die Freiheit zu verteidigen, muss man den Kapitalismus verteidigen; um den Kapitalismus zu verteidigen, muss man die Individualrechte verteidigen; um die Individualrechte zu verteidigen, muss man den Egoismus verteidigen; um den Egoismus zu verteidigen, muss man die Vernunft verteidigen; und um die Vernunft zu verteidigen, muss man akzeptieren, dass die Realität unabhängig von unserem Bewusstsein existiert.“

Russische Jugend und Stalin

Reuters berichtet über eine Umfrage unter russischen Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren, die auf eine gewaltige Distanz zu westlichen Werten bei der Masse der russischen Jugendlichen schließen läßt. 54 % der Befragten stimmten etwa der Aussage zu, dass Stalin mehr Gutes als Schlechtes bewirkt habe. 46 % wollten der Aussage nicht zustimmen, dass Stalin ein grausamer Tyrann gewesen sei.

Gesund durch eine höhere Dosis Gift

Wenn Filmemacher Michael Moore „naiv“ ist, was schon eine recht freundliche Bezeichnung seiner Art zu Denken ist, wie soll man dann einem trotzkistischen Kritiker von Moores Film Sicko bezeichnen? David Walsh (English Version) schreibt auf der Word Socialist Web Site:

Was die Episode in Havanna angeht, gibt es keinen Zweifel, dass die kubanische nationalistische Revolution zu gewissen sozialen Errungenschaften z. B. auf dem Gebiet der Bildung und der Gesundheit geführt hat. Aber es wäre extrem naiv zu glauben, die medizinische Versorgung, die die Mitglieder der amerikanischen Gruppe während des von einem Medienspektakel begleiteten Moore-Besuchs erhielten, sei typisch für die Behandlung, die die kubanischen Arbeiter und Armen bekommen. (…)

As for the Havana sequence, there is no doubt that the Cuban nationalist revolution has produced certain social gains, in the fields of education and health, for example. But it would be the height of naïveté to believe that the medical treatment provided for the members of the American group during Moore’s well-publicized visit is typical of that received by Cuban working people and the poor. In any event, how is one to know?

Amerika bietet eine der besten medizinischen Versorgungen der Welt… für diejenigen, die es sich leisten können. (…)

America offers some of the best health care in the world … for those who can afford it.

Wer glaubt denn, dass eine angemessene Gesundheitsversorgung für jeden Amerikaner von einer der beiden großen Parteien oder im Rahmen des gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Systems verwirklicht wird? Dazu wäre es nötig, gegen einige der mächtigsten und fest verwurzelten Finanz- und Unternehmens-Interessen des Landes anzutreten.

Who can possibly believe that providing decent health care for every American, which would mean taking on some of the most powerful and entrenched financial-corporate interests in the country, will be accomplished by either of the major parties or within the framework of the present political and social set-up?

Walsh unterstellt Moore Naivität, weil dieser glaubt, dass Problem einer angemessenen Gesundheitsversorgung mit etwas Etatismus lösen zu können, wohingegen jener meint, dass es nur die volle Ladung Etatismus bewerkstelligen könne – die kommunistische Revolution. So wie Walsh zu denken liegt weit außerhalb dessen, was man als unschuldige „Naivität“ bezeichnen könnte – es ist durch und durch intellektuell unehrlich, weil niemand in der Lage ist Fakten zu präsentieren, die glaubhaft machen können, dasss durch eine kommunistische Revolution  solche Verhältnisse geschaffen werden können, die eine bessere Gesundheitsversorgung bewerkstelligen könnten als es in semi-freien und sogar vollständig freien System möglich ist. Nein, nicht Moore hat Recht, sondern John Stossel:

 I want FedEx health care: innovation, new cancer treatments, hip replacements and pain relief. We get that from private-sector competition, not government lethargy.

In einem Streitgespräch zwischen Stossel und Moore bot Stossel dem Filmemacher an, ihm 1.000 $ zu zahlen, wenn er ihm eine Sache nennen könnte, die die Regierung effizienter regeln könne als der private Sektor. Auf diese 1 000 $ dürfte Michael Moore vergeblich hoffen, weil er diese Wette nicht gewinnen kann.