Soll Tom Cruise Graf Stauffenberg spielen?

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Juli 9, 2007 von wolfgang

Die FAZ stellt uns diese Frage und überrascht stelle ich fest, dass viele Leser die persönlichen Ansichten von Tom Cruise zur Grundlage dafür nehmen, ihn für diese Rolle für nicht qualifziert zu halten. Aber die Schauspielerei zeichnet sich gerade dadurch aus, dass Schauspieler unabhängig von ihren persönlichen Vorlieben in der Lage sind, Menschen darzustellen, die sich andere Menschen in ihrem Kopf erschaffen haben. Bruno Ganz war in der Lage einen Hitler zu spielen, ohne selbst eine ideologische Affinität zu diesem Diktator zu haben. Und ein scientologischer Schauspieler kann selbstverständlich einen Graf Stauffenberg spielen, jedenfalls wäre sein scientologischer Hintergrund dafür kein Hinderungsgrund. Sollte Cruise in der Rolle versagen oder der Film qualitativ schlecht werden, hätte dies andere Gründe als Scientology. Die Umfrage der FAZ und die Reaktionen vieler deutschen Politiker auf das Filmprojekt, erinnern mich wieder einmal daran, wie gerne doch Scientology als Ersatz für einen wirklichen Anti-Totalitarismus genommen wird, oder müssen wir konstatieren, dass sich Scientologen in unschöner Regelmäßigkeit irgendwo in die Luft sprengen, um möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen?

One thought on “Soll Tom Cruise Graf Stauffenberg spielen?

  1. DDH sagt:

    Wenn gerade mal keine Holocaustleugner, Klimasünder oder „islamistischen Gefährder“ als willkommene Vorwände für den Ausbau des „Polizeystaats“ und die volkspädagogisch motivierte Hysterisierung der Öffentlichkeit zur Hand sind und auch keine hoheitlich zu potentiellen Terroristen deklarierten, in der Heide campenden Naturfreunde aus der Luft zu photographieren sind, jagt man gerne irgendwelchen anderen Gespenstern hinterher. In diesem Sommer ist nun also mal wieder Sekten-Saison ausgebrochen und beim medial-gouvernementalen Komplex brennen sämtliche Sicherungen durch ob der dräuenden Gefahr, die von der Mitgliedschaft von Tom Cruise in einer doch eher albernen Vereinigung ausginge, wenn er in der Rolle des Claus Graf Schenk von Stauffenberg eine der wenigen wirklich heroischen Gestalten der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts verkörpern wird.

    Einprägsamer als die Philadelphia Daily News vom 3. Juli kann man die würdelose Inszenierung um die verweigerten Drehgenehmigungen für den beliebten – und von mir seit Kindheitstagen trotz seiner kruden Weltanschauung überaus geschätzten – Hollywood-Star nicht zusammenfassen:

    „It would be difficult to find a better way of recalling the Nazi era than by preventing a man from doing his job because of his beliefs.“

    Was die politische Klasse Berlins hier gerade aufführt, sprengt nicht nur den Rahmen gewohnt demokratischer Peinlichkeitsgrade (hier ist man in den letzten Jahren der geistig-moralischen Verwahrlosung ohnehin längst abgehärtet) es bedeutet vielmehr das schamlose, unverfrorene und sich auch keiner liberalen Mimikry mehr bedienende Dementi aller sonntäglichen Lippenbekenntnisse zu einem der heiligsten Verfassungsgrundsätze dieses „Rechtsstaats“!

    Zum Glück haben wir noch ein paar Intellektuelle in Deutschland, die die Tassen im Schrank behalten haben, weil sie an günstigeren Gestaden ihre Erfolge feiern und folglich ihr Horizont nicht am Kirchturm von Deutsch-Krähwinkel endet. Gäbe es eine wirklich liberale Stiftung in Deutschland und würde diese Stiftung einen Freiheitspreis ausloben, dann hätte ihn sich Florian Henckel von Donnersmarck für seine in der FAZ erschienene fulminante Kampfansage an den PC-konformen deutschen Spießer „Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise“ redlich verdient! Bravo, bravissimo für diese befreienden Worte!!!

    Eine besonders peinliche Fußnote, die sich freilich ins Sittengemälde dieser Republik nahtlos einfügt, sei noch erwähnt. Der Historiker Peter Steinbach hat auf Henckel von Donnersmarcks Plädoyer für Geistesfreiheit in einem Radio-Interview sehr schroff reagiert. Es sei „würdelos“, so wird der hauptsächlich Gedenkkultur betreibende Staats-Intellektuelle Steinbach in der FAZ zitiert, wenn „eine historisch wichtige, wertvolle, als Orientierung dienende Persönlichkeit“ wie Stauffenberg an den Glanz eines Kinostars gekoppelt werde, sagte Steinbach in einem Rundfunkinterview. Donnersmarcks Argumentation (und nicht etwa die vor Fäulnis über den Verrat an ihren eigenen Prinzipien bereits stinkende Republik) sei „verkommen“, der Gebrauch des Begriffs „Übermensch“ für Stauffenberg „leichtfertig und verantwortungslos“. Steinbach hält einen „Superman“ und Scientology-Adepten wie Tom Cruise nicht für geeignet, die dramatische innere Entwicklung Stauffenbergs vom Befürworter zum Gegner von Hitlers Regime überzeugend darzustellen. Steinbach müßte eigentlich wissen, wann es Zeit ist, nicht mit den Wölfen zu heulen oder besser: mit den Schafen zu blöken. Er verfaßte im Jahre 2003 das Nachwort zur Neuauflage von Friedrich August von Hayeks „Der Weg zur Knechtschaft“.

    Schon vor wenigen Monaten wollte bereits in einer eigensinnigen Mischung aus Schwabenstreich und Husarenritt der Provinzpolitiker Günther Oettinger an dem US-Schauspieler John Travolta ein Exempel des Gesinnungsstaates statuieren. Wenn wir erst einmal zulassen, daß hierzulande Politiker entscheiden, welche Schauspieler wir überhaupt noch sehen dürfen, dann wird am Ende der Fahnenstange allenfalls noch ein Charakterdarsteller wie Lassie in der Rolle des Ronald Pofalla durchgehen. Darum: Wehret den Anfängen!

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