Operation gelungen. Gott tot

In den letzten Wochen war Christopher Hitchens Buch Der Herr ist kein Hirte der eindeutige Favorit der Leser dieses Blogs, jedenfalls nach dem Maßstab der Klicks auf den Link bei Amazon. Jetzt hat Hannes Stein eine längere Besprechung für die WELT geschrieben, wo er Hitchens einen gewissen Respekt nicht verweigert, ihm gleichwohl vorwirft, „gründlich Unrecht“ zu haben. Unrecht deshalb, weil Stein der zentralen These in Hitchens Buch, dass „Religion die Welt vergiftet“ („Das große Gift der Menschheit“, nennt Ayn Rand die Religion in ihrem philosophischen Tagebuch Ende der zwanziger Jahre), wie der Untertitel des Buches aussagt, nicht zustimmen kann. Wie es allerdings auch bei realen Menschen nach ihrem Ableben nicht zu einer „Auferstehung“ kommt, so ist auch nach der „intellektuellen Hinrichtung“ von Hitchens die Sache unvermeidlich zu ihrem Ende gekommen: „Fall erledigt, Buch zugeklappt, Operation gelungen, Gott tot.“ Da hilft es auch keineswegs, wenn Stein versucht, aus dem Verhalten von religiösen Menschen auf die Richtigkeit religiösen Denkens zu schließen oder Hitchens vorwirft, bestimmte religiöse Geschichten nicht richtig verstanden zu haben. Stein ist ein religiöser Zweifelnder, wo Hitchens ein atheistischer Wissender ist, was Stein empört und ihn zu der Aufforderung der „beidseitigen Abrüstung“ bringt. Aber die Wahrheit sollte verteidigt und nicht demontiert werden, denn Hitchens „konstruiert“ keineswegs einen Gegensatz zwischen Religion und Vernunft, wie Stein meint, sondern dieser Gegensatz ist real, weil Glaube die Basis jedweder Religion ist, wo die Vernunft sich auf das Erkennen von Fakten stützt.

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Schlechtes Isaf-Mandat, gute OEF-Mission

In der Afghanistan-Debatte im Deutschen Bundestag kritisierte der FDP-Abgeordnete Werner Hoyer die „Unterscheidung zwischen dem vermeintlich bösen OEF-Mandat und dem guten Isaf-Aufbaumandat“ als „nicht sachgerecht und nicht fair“. Im Gegensatz zu Werner Hoyer halte ich diese Unterscheidung für sachgerecht und fair, allerdings mit dem bedeutenden Unterschied, dass die moralische Bewertung völlig anders erfolgen sollte: Das Isaf-Mandat ist schlecht (=altruistisch) und die OEF-Mission ist gut (=egoistisch). Sollte es einen (!) Bundestagsabgeordneten geben, der diese Auffassung teilt, will ich seinen Beitrag gerne an dieser Stelle abdrucken.

Von Rousseau zu Kardinal Meisner

Endlich wissen wir, woher Kardinal Meisner Anregungen für seine Predigten holt:  

„Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen.“

Jean-Jacques Rousseau, Emile

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet.“

Joachim Meisner in einer Predigt 2007

Alan Greenspan in turbulenten Zeiten

22550549n.jpgAlan Greenspan hat ein Buch über sein Leben geschrieben (Mein Leben für die Wirtschaft), aber eigentlich, meint zumindest J. Bradford DeLong, seien es doch drei Bücher unter einem Umschlag: „Das erste sagt uns, wer Greenspan ist.“ Unter den Geschichten aus diesem Teil des Buches befindet sich natürlich auch Greenspans Zugehörigkeit zur Gruppe um Ayn Rand. Dan Agin schreibt, dass Greenspan in seinem Buch bestätigt, dass Ayn Rand „zu den größten intellektuellen und persönliche Einflüssen seines Lebens“ zählt. Danach gibt es bei ihm eine Art Superkurzfassung von Rands Objektivismus, und eben diese Philosophie soll es sein,  durch die sich die Dunkelheit und Widersprüchlichkeit von Greenspan auflösen lasse. Greenspan als konsequenter Objektivist? Ich bin gespannt, ob Greenspan dazu in seinem Buch eine Stellungnahme abgibt.  

Staatsgeister

Michael Hurd stimmt der These zu, dass die Schüler in den staatlichen Schulen vorwiegend Loyalität gegenüber dem Staat vermittelt bekommen, und nicht so sehr echtes Wissen. Wer hin und wieder Vorstellungsgespräche deutsche Schüler im Fernsehen „bewundern“ kann, muss jedenfalls zu der Schlussfolgerung kommen, dass echtes Wissen dort ausgesprochene Mangelware ist: Fragen nach der Zahl der deutschen Bundesländer oder Rechenaufgaben wie „Wieviel ist 1,5 kg plus 600 g“ überfordern diese Bewerber regelmäßig.

Radikales Amerika

Philip Plickert schreibt für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Brians Dohertys Buch Radicals for Capitalism. Bedauerlicherweise scheint der Autor über den Gegenstand des Buches so wenige Kenntnisse zu haben, dass er Dohertys Thesen einfach als wahr unterstellt, und sich mit dem Urteil begnügen muss, dass Doherty „unterhaltsam“ und „interessant“ geschrieben hat. Kritisch behandelt etwa James S. Valliant die Darstellung von Ayn Rand durch Doherty.

Dem Mami-Staat Kontra geben

In englischsprachigen Blogs einer bestimmten ideologischen Richtung findet sich häufig der Ausdruck „nanny state“ (nach Wikipedia soll der Ausdruck auf einen britischen Abgeordneten der Konservativen Partei zurückgehen), ein Staat der angeblich gütigen Bevormundung und Kontrolle, den diese Blogger zurückweisen. Michael Stürmer hat jetzt den Weg zur Eindeutschung dieses Begriffes geebnet:

Was Kafka und Orwell in der totalitären Variante beschrieben,  erleben wir heute in der demokratischen des Mammi-Staats, der alles besser weiß als die garstigen Kinder.

Markwort oder Niebel?

FDP-Mitglied und Focus-Chefredakteur Helmut Markwort hat sich, ganz anders als seine Partei (siehe Dirk Niebel) deutlich für die -legalisierte- Möglichkeit von Onlindurchsuchungen ausgesprochen (in der aktuellen Focus-Ausgabe):

Es gibt auch schlechte Nachrichten für Terroristen: Ausländische Geheimdienste haben das Recht, den Online-Verkehr von Verdächtigungen zu überwachen. Die Festnahme der drei Terrorverdächtigen in Deutschland ging auf Hinweise amerikanischer Geheimdienst zurück, die in Pakistan Spuren verfolgt hatten.

Wenigstens ist den deutschen Fahndern nicht verboten, die Informationen zu lesen, die ihnen befreundete Dienst zukommen lassen.

Dirk Niebel scheint diese Verbindung zu den Amerikanern entweder nicht zu kennen oder er ignoriert deren Relevanz:

Der Fahndungserfolg beweist, dass Gesetzesverschärfungen nicht notwendig sind und unser Sicherheitssystem bereits handlungs- und funktionsfähig ist. Unsere Sicherheitsbehörden haben auf der Basis der bestehenden Gesetze hervorragende Arbeit geleistet. Die vorhandene Gesetzeslage muss konsequenterweise als hinreichend angesehen werden.

Bemerkenswert auch die Überschrift seines Beitrags: „Absolute Sicherheit ist eine Illusion“. Hatte jemand behauptet, dass es so sei? Dirk Niebel nennt jedenfalls niemanden. Niebels Beitrag läßt jedenfalls den Schluss zu, dass er Onlinedurchsuchungen auf keiner rechtlichen Basis akzeptieren möchte. Wohlgemerkt: Wir reden, wie ebenfalls Focus berichtet, von 10-15 „Gefährdern“ in Deutschland, die überwacht werden sollen. Und wie der Bundesinnenminister heute im Fernsehen mitteilt, auf der Grundlage eines richterlichen Beschlusses. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Kauder sprach im Fernsehen von fünf bis acht Fällen im Jahr bei denen die Computer Verdächtiger mit richterlicher Genehmigung durchsucht werden sollen. „Wie man sich dagegen verweigern kann, erschließt sich mir wirklich nicht bei der Sicherheitslage, die wir haben“, fügte er hinzu.

Religiöse Aufwallungen in der Union

Müssen wir uns das unter einem neuen „konservativen Profil“ bei der CDU/CSU vorstellen?: CDU-Generalsekretär will Kruzifixe in allen Schulen und Bayern will Gotteslästerung schneller bestrafen. „Wehret den Anfängen“ kann man da nur sagen und auf säkulare Reaktion von der FDP hoffen. Idealerweise sollte diese gleich den Abschaffung des Gotteslästerungsparagrafen fordern.

Ein Klima der Unvernunft

218lj8sbpdl_aa115_.jpgWenn unsere westlichen Gesellschaften so westlich -im Sinn einer Neigung zur Vernunft- wären, wie sie sein könnten und sein sollten, denn hätte die gegenwärtige Klimadebatte ein anderes Gesicht: sie würde unter der Prämisse geführt, dass freie Menschen mit einem Phänomen wie höheren Temperaturen fertig würden, wie sie auch damit fertig werden, dass  nachts die Sonne nicht scheint oder dass es im Winter manchmal eiskalt werden kann. Aber die Klimadebatte zeigt deutlich irrationale Züge, wie uns Dirk Maxeiner in seinem Buch Hurra, wir retten die Welt zeigt, aus dem DIE WELT heute einen längeren Auszug bringt. Wie Politiker das Klima dafür missbrauchen, altruistische Verhaltensweisen und etatistische Politikansätze zu propagieren, macht besonders ein Zitat von Al Gore deutlich, dass aus seinem Buch Wege zum Gleichgewicht aus dem Jahr 1992 stammt:

„Leugnung ist die Strategie derer, die zu glauben wünschen, dass sie ihr suchtabhängiges Leben ohne schlimme Auswirkungen auf sich selbst und andere fortsetzen können.“