Die Revolution von „rechts“

Wenn Menschen wirklich Sozialismus wollen und nicht nur einem „etatistischen Liberalismus“ -wie die Sozialdemokraten- anhängen, hört sich dies so an:

Die soziale Kahlschlagpolitik durch die etablierten BRD-Machthaber macht immer deutlicher, daß ein Bruch mit dem Kapitalismus notwendig ist, wenn man eine wirkliche Veränderung herbeiführen möchte. Globalisierung und die damit einhergehende Zerstörung jeglicher hart erkämpfter sozialer Standards wird die Systemfrage aufwerfen und damit zwangsläufig das morsche System zum Zusammenbruch zwingen.

Wer jetzt vermuten würde, dass dies ein Zitat der Kommunistischen Plattform, von Trotzkisten oder Maoisten ist, täuscht sich: es stammt aus einer Stellungnahme der Jungen Nationaldemokraten vom Juni diesen Jahres. Das Wort „Freiheit“ kommt in dem Text nur einmal vor, allerdings ist an dieser nicht von der Freiheit des Individuums die Rede, sondern nur von „Deutschlands Freiheit“.

Advertisements

Was die SPD wirklich will

Will die SPD den Sozialismus wirklich? Gut, es steht in ihrem neuen Grundsatzprogramm („Den Menschen verpflichtet, in der stolzen Tradition des demokratischen Sozialismus,…“), aber will sie ihn wirklich oder handelt es sich um nichts anderes als leeres Geschwätz, oder freundlicher formuliert „nur noch (um) ein nostalgisches Zitat der eigenen Geschichte“.? Von der radikalen Linken dürfte sicherlich der Vorwurf kommen, dass nichts dafür spricht, dass die SPD den Sozialismus (demokratisch oder sonstwie) wollen könnte und ich denke, dass diese Einschätzung zutreffend ist – zu unser aller Glück. Was die SPD wirklich will, faßte die FAZ unter den Begriff „etatistischen Liberalismus“, was auf eine von Kombination von Zwang und Freiheit verweist, die bedauerlicherweise auch so typisch für die andere große Partei in Deutschland ist, und auf die Ideen der Ordo-Liberalen zurückgeht:

Das Leitbild der Ordoliberalen war nicht das Prinzip des Laissez-faire, sondern sie verfolgten einen „etatistischen Liberalismus“ (F.A.Z. vom 21.06.2007), in dessen Zentrum die Herstellung und Aufrechterhaltung des Wettbewerbes steht. Der Staat soll unter die Aufsicht des Marktes gestellt werden, so dass sich Markt und Staat gegenseitig begrenzen. In den Worten Alexander Rüstows soll der Staat „nicht entgegen den Marktgesetzen, sondern in Richtung der Marktgesetze“ intervenieren.

Hirsi Ali über den Islam

Libertäre müßten eigentlich frohlocken: Die holländische Regierung will den Personenschutz im Ausland für Ayaan Hirsi Ali nicht mehr bezahlen:

Seit 1. Oktober zahlt die Haager Regierung die teure Bewachung von Hirsi Ali im Ausland nicht mehr. Nur in den Niederlanden wird sie auf Kosten des Staates weiterhin rund um die Uhr bewacht. Daraufhin sah sich Hirsi Ali gezwungen, ihren Forschungsaufenthalt in den USA zu unterbrechen und nach Holland zurückzukehren. Hier versuchte sie in den vergangenen Tagen, private Sponsoren zu finden, die ihr den teuren Personenschutz bezahlen.

Sehr lesenswert ist das Interview, dass Ayaan Hirsi Ali mit der Zeitschrift REASON führte. Sie sagt dort, dass sich der Westen im Krieg mit dem „Islam“ befände und weist die These von Daniel Pipes zurück, der behauptet, dass der „radikale Islam“ das Problem sei und der „moderate Islam“ die Lösung:

I think that we are at war with Islam. And there’s no middle ground in wars.

Ein bißchen Appeasement

„Ein bißchen Frieden“ sang die Schlagersängerin Nicole einst. „Ein bißchen Appeasement“ möchte jetzt US-Verteidigungsminister Robert Gates zum Entsetzen des tschechischen Regierung gegenüber dem immer vernehmbarer grollenden russischen Bären an den Tag legen:

Gates informierte seine tschechischen Gastgeber über ein entsprechendes Angebot Washingtons an Moskau: Die USA seien bereit, russische Soldaten als festen Bestandteil der Besatzung für die Radarstation in Westböhmen zu akzeptieren, die Teil des umstrittenen US-Raketenabwehrschilds werden soll. Washington wolle damit Bereitschaft zur Transparenz gegenüber den misstrauischen Russen demonstrieren.

Kai Diekmanns Abrechnung mit den 68ern

Problematisch an den „Gutmenschen“ ist, dass sie gar nicht gut sind. Wer sich in eine Diskussion mit derartigen „Gutmenschen“ verstrickt oder über sie ein Buch verfaßt, sollte dies deutlich zum Ausdruck bringen. Wer dies nicht tut, wer seinem Widersacher, zumindest implizit, unterstellt, dass er eine legitime moralische Position einnimmt, die allerdings mehr oder weniger unpraktisch ist, begibt sich selbst argumentativ in die Defensive, weil Menschen, nicht zu Unrecht, Interesse an Moral haben, und immer wieder dazu neigen, entsprechend dieser Moral zu handeln. Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD Zeitung, hat eine Abrechnung mit den Achtundsechzigern verfaßt, denen er vorwirft, einen Epochenbruch in Richtung „Egozentrik, Mittelmaß und Faulheit“ in der deutschen Gesellschaft bewirkt zu haben (Der große Selbstbetrug):

Wir Deutschen wollen die Korrektesten, die Anständigsten, die moralisch Besten sein auf dieser Welt. Dagegen gäbe es eigentlich gar nichts einzuwenden. Wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was gesunden Menschenverstand ausmacht.

Einem weiteren Problem dürfte sich Diekmann auch kaum stellen: Inwieweit hat seine eigene Zeitung zu den Zuständen beigetragen, die er so wortreich beklagt?

Der kulturelle Einfluss von „Atlas Shrugged“

atlas_shrugged_cover_2.jpgErklärt dieses Buch die kulturelle Differenz zwischen Europa und Amerika?
Sehr interessante Zahlen zu Ayn Rands Roman Atlas Shrugged brachte eine aktuelle Umfrage (Oktober 2007) von Zogby International an der Tag ( 1 239 Bürger wurden befragt): 8,1 % der erwachsenen Amerikaner haben Atlas Shrugged  gelesen. Besonders zahlreich sind vor allem die Leser in den höheren Einkommensbereichen: 14 % der Amerikaner mit Einkommen über 100 000 $ haben AS gelesen, allerdings nur 2 % von denjenigen, die weniger als 35 000 $ verdienen. Wenn viele Amerikaner angeben, dass AS ihr Leben verändert hat, so könnten sie damit durchaus auch ihre Brieftasche gemeint haben.

Gores Ablasshandel mit sich selbst

„Ein Heuchler bekommt den Friedensnobelpreis“, hatte ich an dieser Stelle behauptet. Al Gore würde dies natürlich vehement bestreiten, wie uns heute Dirk Maxeiner in der WELTWOCHE erklärt:

 Sein ökologischer Fussabdruck entspricht in etwa dem von King Kong. Dies aber nur praktisch, theoretisch hat Gore gar keinen Fussabdruck. Durch den Kauf von Klima-Zertifikaten lebt er nach eigenen Angaben vollkommen klimaneutral. Wie das geht? Ganz einfach: Man findet Leute irgendwo anders auf der Welt, die man dafür bezahlt, dass sie jenes Kohlendioxid einsparen, das man selbst nicht einsparen will. Ungefähr so wie ein römischer Kaiser, der ein riesiges Festgelage veranstaltet, sich aber um den Kalorienverbrauch sorgt. Zum Ausgleich bezahlt er die Bettler der Stadt dafür, ein paar Tage mehr zu hungern. Daraufhin ist die kaiserliche Sause kalorienneutral. Moderne Zeiten: Privatjets brauchen plötzlich keinen Sprit mehr und Paläste keinen Strom (wer mit diesen Erscheinungen physikalische oder logische Probleme hat, ist nicht auf der Höhe der Zeit). Gores Klima-Zertifikate stammen von der Firma Generation Investment Management. Der Friedensnobelpreisträger ist Mitbegründer und Vorsitzender dieses Unternehmens. Vielleicht ist das ja die Zukunft: Ablasshandel mit sich selbst.

Begegnung mit einem Neokon

Hannes Stein hatte in New York die Gelegenheit eine Veranstaltung mit Norman Podhoretz zu besuchen, den die Times als „intellektuellen Guru“ der neokonservativen Bewegung in den USA beschreibt. Podhoretz möchte die arabische Welt „demokratisieren“, wenn nötig mit Gewalt. Nun ist die Anwendung von Gewalt nicht das, was man an der neokonservativen Position kritisieren sollte, sondern kritikwürdig sind die Gründe für die Anwendung militärischer Gewalt und der Umfrang, in dem diese eingesetzt werden soll, schließlich führten die USA den 2. Weltkrieg auch nicht, um Deutschland und Japan zu „demokratisieren“ und das Ausmaß der Gewalt war durchaus massiv, was schließlich auch zu dem gewünschten Erfolg führte, nämlich der Kapitulation der Feindstaaten. Stein scheint  ähnliche Vorbehalte  zu haben:

Schade, dass niemandem die Frage einfiel, warum die Demokratisierung des Nahen Ostens bisher am ehesten Parteien wie die „Hamas“ begünstigt hat.