Neocons, die Sozialdemokraten der Rechten

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April 18, 2008 von wolfgang

Hannes Stein gefällt Ann Coulter sicherlich deutlich besser als Michael Moore – und dies nicht nur optisch. In seinem Artikel fällt mir allerdings eine Beschreibung der amerikanischen Neokonservativen auf, die nur eine halbe Wahrheit zum Ausdruck bringt:

Sie gehört nicht zu den „neocons“, den verfemten amerikanischen Neokonservativen – die ja im Grunde (und wenn man genauer hinschaut) innenpolitisch eher Sozialdemokraten, außenpolitisch aber kämpferische Liberale sind.

Stein scheint davon auszugehen, dass zwischen den innen- und außenpolitischen Ansichten der Neocons eine grundlegende Differenz besteht. Dies möchte ich bezweifeln. Altruistische Prämissen beherrschen das neokonservative Denken durchaus sowohl in den Innen- wie in der Außenpolitik. Außenpolitisch ist die neokonservative Richtung kein neues Phänomen, sondern ist bekannt unter den Begriffen „Liberaler Internationlismus“ oder „Wilsonianismus“ -einige Neokonservative sprechen von ihrer Schule als einem „harten Wilsonianismus“-, wenn sich auch die jeweiligen Methoden unterscheiden, denn Neokonservative sprechen offen aus, dass sie für ihre ambitionierten außenpolitischen Ziele auch Gewalt einsetzen wollen.

Literatur: Yaron Brook und Alex Epstein: Neoconservative Foreign Policy: An Autopsy (vollständiger Text nur für Abonnenten)

4 thoughts on “Neocons, die Sozialdemokraten der Rechten

  1. Die außenpolitische Ziele sind deshalb nicht altruistisch weil sich das Interesse der USA nicht mehr belästigt zu werden aus der Region mit dem selbst-interesse der Araber nach Demokratie und Markt überschneidet.

  2. Wolfgang sagt:

    Selbst wenn es wirklich so wäre, dass die arabischen Nationen frei sein wollen -was man wirklich bezweifeln kann- wäre dies noch kein Grund, dafür das Leben westlicher Soldaten aufs Spiel zu setzen. Entscheidend ist, dass diese Nationen nicht bedrohlich sind, und es gibt zahlreiche unfreie Nationen, die dies nicht sind. Ich darf noch einmal aus dem bereits erwähnten Aufsatz zitieren:
    „Amerika ist eine unabhängige Nation, dessen Wohlergehen nicht erfordert, dass alle Nationen frei, wohlhabend und glücklich sind, sondern einfach, dass sie nicht bedrohlich sind.“

  3. Der Objektivismus-Blog zitierte letztens noch Biermann:

    >>Ach! und die wiedervereinigten Deutschen, sie haben aus ihrem verlorenen Hitler-Krieg nur eine dumpfbackige Lehre gezogen: „Nie wieder Krieg!“ Sie sollten lieber was Neues lernen: Nie wieder eine totalitäre Diktatur! Das käme langfristig günstiger, denn dann kriegen sie den Frieden als Gratisgeschenk dazu. Warum? Weil es bisher noch niemals in der Weltgeschichte einen Krieg gab zwischen zwei Demokratien.<<

    Die Bedrohungslage wurde sicherlich was den Irakkrieg angeht überschätzt (WMD) aber eine Bedrohung sind tendentiell alle diese Regime. Und der Mangel an Freiheit hat auch die noch schlimmere Gegenbewegung geschaffen die uns am 11.September erreichte.
    Amerika hat also wohl ein Interesse am Wohlhaben und der Freiheit der Nationen.

  4. Okay, ich hatte Biermann zitiert, auch wenn ich die Verwendung des Begriffs „Demokratie“ dort nicht schätze. Allerdings bezog sich Biermann auf die Deutschen, und nicht darauf, wie andere, freie Nationen auf derartige Entwicklungen reagieren sollten.

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