Lafontaine: Mut zur eigenen Sprache

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Mai 25, 2008 von wolfgang

Kann die „Kommunistische Plattform“ mit der Rede von Oskar Lafontaine, die er gestern auf dem Parteitag der Linkspartei in Cottbus hielt, zufrieden sein? Antwort: Ja, sie kann, denn der Parteivorsitzende Lafontaine schreibt nicht nur die deutsche Geschichte aus kommunistischer Sicht um, sondern fordert auch eine Rückkehr zur dialektischen Begriffsverwirrung, wo sie aus den kommunistischen Staaten so überreichlich bekannt ist – Lohnnebenkosten sind keine Lohnnebenkosten, wenn die Partei es so will, denn sie dienen ja einem guten Zweck, und so werden aus ihnen, vielleicht, „Solidaritätsbeiträge“:

Man muss sogar den Mut haben, seine eigene Sprache zu sprechen.

Und nun ein weiteres interessantes Zitat: „Es gehört zum heillosen Zustand, dass auch der ehrlichste Reformer, der in abgegriffener Sprache die Neuerung empfiehlt, durch Übernahme des eingeschliffenen Kategorieapparates und der dahinter stehenden schlechten Philosophie die Macht des Bestehenden verstärkt, die er brechen möchte.“ Das schrieben Horckheimer und Adorno schon in der Dialektik der Aufklärung 1947. Mit anderen Worten, die Herausforderung an die LINKE ist folgende: Wer die Sprache der Herrschenden spricht, verfestigt die bestehenden Zustände. Und, liebe Freundinnen und Freunde, das ist eine große Herausforderung.

Ein Standardbeispiel für diesen Mechanismus ist der Begriff Lohnnebenkosten. Alle mit uns konkurrierenden Parteien wollen die Lohnnebenkosten senken. Das heißt, sie wollen das Geld, darauf ist Lothar bereits eingegangen, für Rentner, Arbeitslose, Kranke und Pflegebedürftige kürzen. Ein einziger Begriff, nicht die Politikerinnen und Politiker, ich sage das jetzt sehr zugespitzt, ein einziger Begriff bestimmte ganz wesentlich die Politik der letzten Jahre. DIE LINKE muss ihre eigene Sprache finden, besser noch zur Dialektik zurückkehren. Dialektiker sein, heißt, den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst ist, sie setzen zu können. Das ist das entscheidende. – Soweit Walter Benjamin.

2 thoughts on “Lafontaine: Mut zur eigenen Sprache

  1. HUNDEPOPEL sagt:

    Die Segel sind ja weitgehend dem Spiel des Windes überlassen. Oskar segelt meistens gegen den Wind, weil er sicher sein kann, daß alte Genossenseligkeit blind macht und taub.

    Kaderpartei Linke, das ist es, wonch er schon immer gesucht hat.

    Die Internationale der Habenichtse.

  2. Heißt das, dass die Schaffung und Platzierung von anti-concepts in Zukunft verstärkt zur zentralen Strategie der SED gehören werden? Wenn ja, und wenn die das konsequent durchziehen, dann wird es sicherlich noch lustig hier.

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