Köhler auf den Spuren der Linkspartei

9

Mai 28, 2008 von wolfgang

Der amtierenden Bundespräsident wird in einem Jahr vermutlich mit mindestens mit einem Gegenkandidaten rechnen müssen, und über eine Alternative zu diesen obersten Repräsentanten des Staates sollte in der Tat dringend nachgedacht werden, denn Köhler zeigt in Bezug auf die Finanzmärkte einen Emotionalismus wie man ihn ansonsten nur von Oskar Lafontaine kennt:

Die globale Finanzindustrie ist nach Ansicht von Bundespräsident Horst Köhler zu einem „Monster“ mit immer weniger Bezug zur Realwirtschaft mutiert. „Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte“, sagte das Staatsoberhaupt in einem am Mittwoch veröffentlichten „Stern“-Interview. (FAZ)

9 thoughts on “Köhler auf den Spuren der Linkspartei

  1. HUNDEPOPEL sagt:

    Nein, nein, der erste Verdacht, der bei dieser Nachricht mit ihrem bemerkenswerten Zitat hochkommt, kann nicht sein,
    weil er nicht sein darf. Man muß sich tatsächlich verbieten,so etwas zu denken.

    Oder stimmt es vielleicht doch, was da an Gedanken kommt ?

    Deswegen, mal ganz unschuldig, unvervindlich und rein hypothetisch gefragt :

    Will sich der Herr Bundespräsident dem Oskar Lafontaine empfehlen ?

    Denkt er schon an die Stimmen, die Oskar in der Bundes-
    versammlung zu vergeben hat ?

    Das allerdings, das, das,
    das wäre doch einfach — kurios ! Tadellöser ??

  2. Wolfgang sagt:

    Man könnte tatsächlich von einer Art Wahlkampf sprechen, die Köhler dort an den Tag legt, was die Sache aber keineswegs entschuldigt.

  3. Nach allem, was ich über Frau Schwan gelesen habe, wäre sie vielleicht nicht die schlechteste Präsidentin. Sie gehört dem rechten, anti-marxistischen Parteiflügel an, und vertrat in Vergangenheit Antikommunistische Positionen. Ausserdem spricht sie polnisch, was aussenpolitisch vorteilhaft sein könnte. Allerdings ist sie eben auch eine recht überzeugte Katholikin, was mir eventuell im Bezug auf solche Dinge wie Abtreibung etc. etwas Bauchschmerzen macht, auch wenn sie meines Wissens in dieser Beziehung noch nicht hervorgetreten ist. Unter Umständen könnte sie aber sachlicher sein als Köhler, dessen Reformismus ja auch recht schnell abgeklungen ist, als das nicht mehr opportun war. Leider weiß ich über Gesine Schwans sonstige politische Positionen zu wenig.

  4. Barbarossa sagt:

    Gesine Schwan ist keine Alternative zu Köhler. Sicher ist es nicht zu entschuldigen, daß er auf den populistischen Zug aufgesprungen ist, und gemeinsam mit den ganzen Polit-Clowns die Marktwirtschaft verunglimpft, insbesondere, da er es besser wissen muß.
    Genau das ist aber der entscheidende Punkt – er weiß es besser, dafür sprechen seine bisherigen Reformmahnungen, die nicht nur hohle Phrasen waren, sondern auch gerade Eigenverantwortung und Freiheit beinhalteten, außerdem seine Biographie. Köhler studierte Volkswirtschaftslehre und war Direktor des IWF.

    Schwan hingegen kennt Wirtschaft nur vom Hörensagen, hat nie etwas derartiges studiert und war nie in der freien Wirtschaft tätig. Sie trat unter dem Eindruck der Studentenbewegung in die SPD ein. Nur weil sie Antikommunistin ist und für den NATO-Doppelbeschluß eingetreten macht sie das nicht unbedingt zur Wunschkandidatin. Schließlich äußert auch sie sich derzeit äußerst marktkritisch und ihre Kandidatur wird von Gestalten wie Andrea Nahles forciert, die sich immer gerne als Freunde der Marktwirtschaft präsentieren.

    Und – last but not least – sie kann nur mit den Stimmen der SED gewählt werden, was sich diese sicher entsprechend bezahlen lassen. Es ist also kaum anzunehmen, daß Gysi und Co. eine Kandidatin durchwinken, die dann anschließend der FDP das Wort redet.

  5. Ja, Sascha, ich hörte auch schon, dass Frau Schwan dem rechten Flügel der Partei zugehört und sogar Problem mit Brandts Ostpolitik hatte. Bei Köhler habe ich auch den Eindruck, dass er in Bezug auf die Trennung von Staat und Religion kein idealer Kandidat ist (etwa sein Auftritt beim Katholikentag oder sein Verhalten beim Papstbesuch), aber ich möchte mich hier nicht so festlegen.

  6. Wolfgang sagt:

    Zu Gesine Schwan: Dieses sehr ausführliche Interview vermittelt einen Eindruck über ihre Denkweise. Vielleicht nicht nur etwas für Sascha.

    http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2008/04/28/cumulus/BR-online-Publikation–120017-20080428134115.pdf

  7. Danke, ich werde mir das Interview einmal näher ansehen. Ich persönlich bin mit Köhler sehr unzufrieden. Was nützt ein „Verteidiger der Marktwirtschaft“, der es eigentlich besser wissen müsste, dann aber trotzdem in die populistische Schiene eindrischt? Wenn der Kapitalismus solche Freunde hat, dann brauch er keine Feinde mehr. Deshalb bin ich gegenüber Frau Schwan durchweg offen und informiere mich näher über sie, um sie als ernsthafte Alternative in Erwägung zu ziehen. Bedauerlich ist nur, dass die Wahl letztenendes nicht in der Hand der Menschen liegt, sondern bei dem üblichen Politklüngel, den Argumente weniger interessieren als parteipolitische Loyalitäten.

  8. Barbarossa sagt:

    Mir gefallen die Äußerungen Köhlers auch nicht. Aber es bringt nichts, nur deswegen jemanden zu unterstützen, der von mir noch weiter entfernt liegt, nur weil ich von meinem vermeintlichen Repräsentanten enttäuscht bin.

    Vor allem darf man nicht vergessen, wer Schwan ins Gespräch gebracht hat. Es sind eben jene, die den ganzen Tag nur von Sozialer Gerechtigkeit und Umverteilung schwadronieren und dabei gegen die Leistungsträger der Gesellschaft polemisieren. Köhler hat zwar den Markt als „Monster“ bezeichnet, aber generell ist er nach wie vor ein Vertreter des Leistungsprinzips.
    Für mich zählen Taten mehr, als ein paar Äußerungen aus politischer Laune. Und Schwan hat da meines Erachtens nichts vorzuweisen, das mich überzeugt. Helmut Schmidt war auch kein Freund der Kommunisten und ist deswegen kein Vertreter der Marktwirtschaft.

    Vielleicht liegt es daran, daß ich kein Philosoph bin, aber für mich ist die Wirtschaft das Maß der Dinge – ich mag Religion auch nicht, aber wahlentscheidend ist sie nicht!

  9. Ich persönlich habe es lieber mit jemandem zu tun, der eine eher sozialdemokratische Linie vertritt, als mit einem, der der eine inkonsequente Linie pro Kapitalismus verfolgt, und dann versucht, die Marktwirtschaft auf religiöser Basis zu rechtfertigen, oder aber die Finanzmärkte als Monster geißelt. Wie gesagt, so jemand ist als Verteidiger des Kapitalismus vollkommen kontraproduktiv. Er schadet mehr, als dass er der Sache nützt, und ist meines Erachtens kein Freund, sondern in Wirklichkeit ein ausgesprochener Gegner, und zwar einer, der noch schlimmer ist, als jemand, der explizit gegen den Kapitalismus ist.

    Das Maß der Dinge sind die Ideen, die den öffentlichen Diskurs dominieren. Alles andere, inkl. der Wirtschaft, sind nur Konsequenzen von Ideen.

    Lies mal ein bischen Ayn Rand, vor allem ihr Büchlein „Capitalism: The Unknown Ideal“. Das könnte Dir vitale Informationen geben.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: