Gesine Schwan über Religion und Lafontaine

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Juni 2, 2008 von wolfgang

ShortNews berichtet über Gesine Schwans Haltung gegenüber der Linkspartei von Oskar Lafontaine:

In einem SPIEGEL-Interview sagte sie, dass der Vorsitzende Lafontaine „ein Demagoge“ sei, der den politischen Gegner „verzerren oder lächerlich“ machen würde. Auch am Programm der Linken ließ sie kein gutes Haar. Sie fände darin „keine Antworten auf die Fragen der Gegenwart“.

In einem sehr ausführlichen Interview wurde sei auch nach der Bedeutung des Glaubens gefragt, und mir scheint es doch so, dass sie nicht daran denkt, ihren Glauben in die Politik einzuführen:

Nun, er ist der Anker für alle meine rationalen und emotionalen
Bemühungen um die Welt. Ohne den Glauben würde es mir z. B. sehr
schwer fallen, die Energie in der Richtung zu behalten, dass es in dieser
Welt besser gehen muss. Wir beobachten ja, dass vieles von dem, was
man politisch und gesellschaftlich erreicht hatte in den letzten Jahrzehnten,
nun wieder zurückgeht, schlechter wird. Daraus könnte man also den
Schluss ziehen, dass das alles sowieso keinen Sinn hat. Es trotzdem immer
wieder zu versuchen und auch ein positives Verhältnis zur Welt und zu den
Menschen zu behalten, obwohl man gegenüber Enttäuschungen natürlich
nicht blind sein darf, ist für mich durch meinen Glauben gegeben. Mein
Glaube leitet in der Tat mein Verhältnis zu anderen Menschen an: Diese
Grundvorstellung, dass wir alle Kinder Gottes sind, sitzt ganz tief in mir drin
und ist für mich unglaublich wichtig. Und das geht dann auch nicht nur über
den Kopf, dass ich z. B. Menschen, die mir auf Anhieb nicht so besonders
sympathisch sind, trotzdem erst einmal gerne begegnen möchte, sondern
das hat sich halt tief eingesenkt in mich. Die Tatsache, dass das Ganze, das
wir hier tun, einen Sinn haben kann und dass das alles nicht völlig absurd
ist, ist für mich wichtig. Albert Camus war für mich derjenige Theoretiker, der
eine der interessantesten Alternativen aufzeigte – er wurde zu meiner Zeit
auch noch viel mehr diskutiert als heute. Wenn er jedoch zum Schluss sagt,
man müsse sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen, dann kann
ich nur sagen, dass mir das nie gelungen ist. Mir ist es nie gelungen, mir
Sisyphus als einen glücklichen Menschen vorzustellen, wenn er die Kugel
immer wieder von Neuem den Berg hinaufrollt und sie jedes Mal doch
wieder zurückrollt. Diese Form von Vergeblichkeit ist für mich nicht mit Glück
zu vereinbaren. Vielleicht ist das auch ein Mangel an Reife, aber so ist das
halt bei mir. Ein anderer Punkt ist, dass all das, was hier geschieht, nur das
Vorletzte und nicht das Letzte darstellt, dass Erfolge in der Welt sehr relativ
sind und dass auch Misserfolge nicht das Letzte und das Wichtigste sind,
weil der Richter woanders sitzt. Es sind eben auch die Erfolge eigentlich
nicht uns zuzurechnen: Man kann sich nämlich nur bemühen und hat
manchmal Erfolg und manchmal nicht. Das ist ja oft auch ganz
disproportional verteilt: Einmal bemüht man sich sehr und es kommt
überhaupt nichts dabei heraus und ein anderes Mal bemüht man sich gar
nicht so toll und plötzlich kommt etwas heraus. Das liegt also nicht in unserer
Hand. Das Verhältnis von Freiheit einerseits und die Akzeptanz von
Wirklichkeitsgrenzen andererseits einzuschätzen, ist für mich auch mit eine
Glaubensfrage.

5 thoughts on “Gesine Schwan über Religion und Lafontaine

  1. Gesine Schwan wird nicht meine Stimme haben. Die SPD war 1914 eine Kriegspartei. 2008 bleibt sie eine Kriegspartei. Sie ist deshalb nicht wählbar.

  2. DER BLANKE HANS sagt:

    Tausend Dank, KAPITALISMUS-MAGAZIN, für dieses Interview mit Frau Professorin Gesine Schwan, die als Bundespräsipräsidentin soviel tun kann für dieses unsere Deutschland und seine Freie Gesellschaft.

    Ich habe Ihr Einverständnis mit Verlaub vorausgesetzt und andernorts darauf aufmerksam gemacht !

    Dank nochmals und bis bald !

    Pepe

  3. HUNDEPOPEL sagt:

    Dies Interview, ein wichtiger Beitrag zur Politischen Kultur des Konsenses.

    Vielen Dank !

  4. AMUNO sagt:

    Man kann dieses Interview auch ein wenig anders betrachten und einfach mal schauen, wie häufig sich Frau Schwan selbst ausargumentiert😉

  5. fonsä graskauer sagt:

    Ich habe die Frau Schwan schon immer gemocht.
    Sie ist eine Dame mit dem Herzen am richtigen Fleck.

    Ein Gewinn für Deutschland !

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