Worte und Taten

Zwischen dem, was die US-Republikaner gerade programmatisch festgelegt haben und dem, was Präsident Bush und Teile seiner Partei vorhaben, besteht eine erhebliche Differenz:

We do not support government bailouts of private institutions. Government interference in the markets exacerbates problems in the marketplace and causes the free market to take longer to correct itself.“

2008 Republican Platform

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Sahra Wagenknecht ist sauer

Die Zeitschrift CICERO hat ein Interview mit Sahra Wagenknecht geführt, aber was die Kommunistin eigentlich freuen sollte, ist nun zum Gegenstand großer Verärgerung bei Frau Wagenknecht geworden. CICERO soll, so Frau Wagenknecht, unseriös vorgegangen sein:

Der vom Magazin CICERO in seiner aktuellen Ausgabe veröffentlichte Interviewtext entspricht in nahezu keinem Punkt dem Interview, das ich CICERO autorisiert habe.

Man beachte die Wortwahl: Frau Wagenknecht sagt nicht, dass die Zeitschrift CICERO etwas gedruckt habe, was sie nicht gesagt hat, sondern lediglich, dass die Zeitschrift etwas veröffentlicht hat, was von ihr nicht autorisiert wurde. Anders herum: CICERO könnte tatsächlich das Interview richtig wiedergegeben haben, hat allerdings darauf verzichtet, die Korrekturwünsche des Mitgliedes der Kommunistischen Plattform zu berücksichtigen. Wäre dies journalistisch unseriös, wenn Leser doch davon ausgehen, dass sie bei Interviews das lesen, was der Interviewte gesagt hat, und nicht das, was er sich Stunden oder Tage später am Schreibtisch überlegt hat?

Der Mythos lebt weiter

David Blieswood schreibt er in der BILD Zeitung, dass der „RAF-Mythos“ im Kugelhagel- der Platzpatronen des Filmes „Der Baader Meinhof Komplex„- explodieren würde. Bedauerlicherweise ist es leider so, dass die ungeschminkte Darstellung von brutalen Morden noch keine Entlarvung eines Mythos darstellt. Dass es sich bei den Bandenmitgliedern um Mörder handelte, ist die Zuschauern des Filmes sehr wohl bekannt, und man muss davon ausgehen, dass sie diese Morde nicht für gerechtfertigt halten. Nur wie verhält es sich mit der Ideologie und der Motiviation der Täter? So ungeschminkt wie man ihre Morde dem geschockten Publikum präsentiert, hätte man auch ihre Ideologie sezieren müssen. Wenn dies wirklich passiert wäre, dann hätte der letzte Satz des Films seine Rechtfertigung gefunden:

Hört auf, sie so zu sehen, wie sie nicht waren…“

Und wie sollte man sie sehen? Vielleicht so: Wären Baader, Meinhof und Genossen in Deutschland-West an die Macht gekommen, hätte die DDR dagegen so friedlich wie ein Kindergeburtstag gewirkt.

Bettina Röhl: Film zeigt Täterversion

„Bernd Eichinger claims that his film will destroy the RAF myth but the opposite is the case,“ one of Meinhof’s daughters, 46-year-old journalist Bettina Roehl, wrote on her blog referring to the screenwriter and producer.

„The ‚Baader Meinhof Complex‘ is the worst-case scenario — it would be impossible to top its hero worship.“ (AFP)

Zwei Schauspieler (Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck) durften gestern abend in einer Diskussionsrunde zum Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ ihre Meinung kundtun, wo Bettina Röhl doch die bessere Wahl gewesen wäre. Sie sagt, der Film zeige die Täterversion:

Ist das dem Film zu Grunde liegende Buch „Der Baader Meinhof Komplex“ eine realistische Darstellung der Ereignisse?

Aust hat vor allem die Täterversionen, die er bei den Terroristen abgefragt hat, veröffentlicht und hat danach auch die Akten interpretiert. Insofern ist der Baader-Meinhof-Komplex nicht, wie oft behauptet, das Standardwerk zur RAF, sondern das Standardwerk zum Mythos RAF.

Gegenüber der Nordwest-Zeitung erklärte Frau Röhl, der Film setze den Terroristen der Rote-Armee-Fraktion ein Denkmal.

Merz fordert Offensive für die Marktwirtschaft

Dies sagen Politiker hierzulande so selten, und weil es gleichzeitig so richtig ist, lohnt es sich, darauf zu verweisen (FAZ):

Wir müssen für die moralische Überlegenheit unserer Wirtschaftsordnung kämpfen.

Der dies sagte -auf einer Veranstaltung der FDP!- ist Friedrich Merz von der CDU und es ist mehr als eine Befürchtung, dass Merz mit „unserer Wirtschaftsordnung“ keinen ungezügelten Kapitalismus meint, der tatsächlich allen anderen Systemen moralisch überlegen ist. Trotzdem ist es anerkennenswert, wenn Merz eine Debatte über die moralische Bewertung von Gesellschaftssystemen anstoßen möchte. Ebenso anerkennswert ist der Mut von Merz, tatsächlich eine Reduzierung des Sozialstaates zu fordern:

Merz sagte, Union und FDP könnten viel mehr Zuspruch „auch in der Arbeitnehmerschaft“ erhalten, „wenn wir nicht über die Ausweitung, sondern die Begrenzung des Sozialstaats“ reden würden. Heute sei es so, dass mit Geld viele Probleme erst geschaffen würden, die vorher gar nicht vorhanden gewesen seien.

The same procedure as every year

Die Sozialdemokratie wird wieder einen neuen Parteivorsitzenden bekommen und hat auch ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten, aber wie schnell sich das Personalkarussel auch drehen mag, das Problem der SPD heißt „langfristiger Abwärtstrend“ und dieser ist keineswegs gebremst. Dieser Trend weg von der SPD manifestiert sich sehr deutlich an der rückläufigen Mitgliederzahl und dem abnehmenden Wählerzuspruch. Aus der Volkspartei SPD ist eine Partei geworden, die mittlerweile im Bereich zwischen 20 und 30 Prozent herumdümpelt und die mitgliederstärkste Partei in Deutschland ist sie auch nicht mehr. Bedauerlicherweise hat diese Entwicklung leider nichts damit zu tun, dass die Deutschen den Kapitalismus jetzt mehr lieben als den Sozialismus und deshalb die Sozialdemokraten verschmähen. Die Wählerbasis der Sozialdemokratie erodiert, weil es eine Alternative aus Sozialisten und Kommunisten mit einem ehemaligen Sozialdemokraten an der Spitze gibt. Auf die Herausforderung durch die Linkspartei versucht die SPD programmatisch und strategisch mit einem Schwenk nach links zu reagieren. Das Führungsduo Steinmeier und Müntefering stammt aber vom rechten Flügel. Wie lange kann dieser Widerspruch noch existieren?