Der Mythos lebt weiter

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September 25, 2008 von wolfgang

David Blieswood schreibt er in der BILD Zeitung, dass der „RAF-Mythos“ im Kugelhagel- der Platzpatronen des Filmes „Der Baader Meinhof Komplex„- explodieren würde. Bedauerlicherweise ist es leider so, dass die ungeschminkte Darstellung von brutalen Morden noch keine Entlarvung eines Mythos darstellt. Dass es sich bei den Bandenmitgliedern um Mörder handelte, ist die Zuschauern des Filmes sehr wohl bekannt, und man muss davon ausgehen, dass sie diese Morde nicht für gerechtfertigt halten. Nur wie verhält es sich mit der Ideologie und der Motiviation der Täter? So ungeschminkt wie man ihre Morde dem geschockten Publikum präsentiert, hätte man auch ihre Ideologie sezieren müssen. Wenn dies wirklich passiert wäre, dann hätte der letzte Satz des Films seine Rechtfertigung gefunden:

Hört auf, sie so zu sehen, wie sie nicht waren…“

Und wie sollte man sie sehen? Vielleicht so: Wären Baader, Meinhof und Genossen in Deutschland-West an die Macht gekommen, hätte die DDR dagegen so friedlich wie ein Kindergeburtstag gewirkt.

6 thoughts on “Der Mythos lebt weiter

  1. Max sagt:

    Ich habe den Film mittlerweile gesehen .. und finde ihn sehr gut! „Hört auf, sie so zu sehen, wie sie nicht waren“ bezog sich übrigens darauf, dass sich Baader und Konsorten doch selbst umgebracht haben, die ganze Panik -> „wir müssen sie da raus holen, sonst werden sie umgebracht“ <- also Bullshit war.

    Klar gibt es da viele Platzpatronen und viel Rebellennostalgie. Aber man kann imo sehr schön sehen, wie eine Bewegung, die aus durchaus nachvollziehbaren Motiven entstanden ist, immer weiter in Irrationalität und Selbszerstörung abgleitet weil kein ideologiereduzierter Diskurs / Reflektion stattfindet.
    Wenn man Zeitgenossen glauben darf, war das ja damals ein massives Problem der Linken…. manche sagen: ist es heute auch noch ; )

  2. Max, mich macht deine Bemerkung „aus durchaus nachvollziehbaren Motiven“ stutzig. Tatsächlich scheint der Film dies zumindest anzudeuten. Aber war der Tod von Benno Ohnesorg wirklich ein „nachvollziehbares Motiv“ für Terrorismus, oder der bereits lange beendete Krieg in Vietnam? Ohnesorg wurde von einem Polizisten in einer für ihn nicht überschaubaren Situation ohne den Auftrag eines Staatsorgans erschossen. Dies empörte angeblich die RAF-Leute. Aber warum empörten sie sich nicht über tatsächliche Staatsmorde an der Grenze der DDR?

  3. Max sagt:

    Ich meinte damit nicht, dass die Motive Terrorismus rechtfertigen!

    Ich kann nur die Empörung und den Wunsch etwas zu unternehmen verstehen. Durch die ideologische Brille haben die damals weder die Situation in der DDR noch die Verbrechen Maos gesehen – sicherlich ein Armutszeugnis. Aber wenn man glaubt, dass die marxistische Theorie den Gang der Geschichte klar vorhersagt, schließt man die Augen vor der Realität.

    btw: der Vietnamkrieg ging von 1965 bis in den Beginn der 1970er Jahre. Ohnesorg wurde 1967 erschossen, da war der Krieg in vollem Gange. Für einen marxistischen „Gutmenschen“ fügte sich 1968 alles ins Bild..

  4. Wolfgang sagt:

    Korrekt, der Vietnam-Krieg wurde bis Mitte der siebziger Jahre geführt. Schleyer wurde allerdings erst im Herbst 1977 entführt und ermordet. Man muss sich einmal vor Augen halten, dass zeitgleich mit dem Treiben der RAF Menschen als Fluchthelfer tätig waren, d. h. halfen, Menschen aus einem kommunistischen Regime zu befreien. Ich erinnere an Wolfgang Welsch: „Wenn wir in den Westen kommen, werden wir nicht mit dem erlangten Wohlstand zufrieden sein – wir werden etwas gegen das System tun.“ Zwischen einem Wolfgang Welsch und einem Andreas Baader gibt es natürlich einen gigantischen moralischen Unterschied. Welsch hasste den Kommunismus, Baader und Konsorten ein liberales System, das sie in vollkommner Verkennung der Fakten zu Polizeistaat umdichteten, um sich moralisch vor der Welt und sich selbst zu rechtfertigen. Die Frage ist: Zeigt der Film dies?

  5. Wolfgang sagt:

    Hier der Link zu Wolfgang Welsch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Welsch_(Fluchthelfer)

    Übrigens wurde Welsch 1944 geboren, Baader 1943. Wie wäre es mit einem Film, der beide Personen zeigt und vielleicht ein (fiktives) Treffen zeigt? Mein Punkt ist einfach: Den Terroristen muss auch die moralische Maske vom Gesicht gerissen werden. Es reicht nicht, sie als Mörder zu zeigen oder zu zeigen, dass ihre Suizide auch Suizide waren.

  6. Max sagt:

    Man kann aber nicht leugnen, dass die BRD damals durch die Restauration noch mit Führungspersönlichkeiten in Polizei und Justiz ausgestattet war, die nicht so liberal gesinnt waren, wie die Verfassung eigentlich vorgibt.

    Auch das rechtfertigt keinen Terrorismus (um das gleich klar zu stellen).

    Mein Punkt ist nur der: Der Startpunkt ist nicht verwerflich. Was sie daraus gemacht haben ist es! Anstatt mit friedlichen und kreativen Aktionen den Staat vom Muff zu befreien und die Freiheit der Bürger zu fördern haben sie den Polizeistaat herbeigebombt, den sie vorher im Drogen- / Revolutionsrausch gesehen haben.
    Es kam zu einer selbst erfüllende Prophezeiung, frei nach dem Modell: X ist böse und gewalttätig, ich trete ihm jetzt so lange gegen das Bein, bis er zurückschlägt – was dann beweist, dass er böse und gewalttätig ist.

    Wahrscheinlich wäre statt Stammheim ein längerer Aufenthalt in der DDR oder in China eine gute Therapie gewesen.. Maos Jungs wären mit einem wie Baader sicherlich anders umgegangen als die deutsche Justiz.

    Ich vermute übrigens, dass Baader nicht in der Lage gewesen wäre ein vernünftiges Gespräch mit Welsch zu führen.

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