Zum Tod von William F. Buckley

Einer der Vordenker des amerikanischen Konservatismus, William F. Buckley, ist am Mittwoch im Alter von 82 Jahren gestorben. „Er schuf den modernen Konservativismus als eine intellektuelle und dann als eine politische Bewegung“, schreiben die Herausgeber des National Review, der konservativen Zeitschrift, die Buckley 1955 einst gründete. Robert Bidinotto erinnert daran, dass der Katholik Buckley eine Verbindung von Glauben und Freiheit anstrebte, was ihn in einen starken Gegensatz zu einer Säkularistin wie Ayn Rand brachte, der er nach ihrem Tod zwei üble Nachrufe widmete.

Update: Im Diskussionsteil von Rule of Reason schreibt ein Leser, dass Buckley mehrfach versucht hätte, sich bei Ayn Rand für seine Schmähungen zu entschuldigen. Rand wollte allerdings seine Entschuldigungen nicht annehmen.

Michael Gerson schreibt auf newsweek.com, dass Buckley eine Reihe von „Säuberungen“ auf der Rechten durchführte, die unter anderem die Anhänger von Ayn Rand betrafen: „Er machte es möglich, dass man konservativ sein konnte, ohne ein Spinner zu sein.“ Empfehlenswert auch Robert Tracinskis Aufsatz über das Ende des republikanischen „Fusionismus“.

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Die Ron-Paul-Kontroverse – ein Postmortem

Der Abgeordnete Ron Paul ist sicherlich kein besonders wichtiger Kandidat in der Riege der republikanischen Bewerber um eine Präsidentschaftskandidatur, aber er hat doch eine gewisse Aufmerksamkeit erfahren, besonders für seine außenpolitischen Ansichten, und sein Bemühen, als prinzipienfester Kandidat der Freiheit aufzutreten, sollte Grund genug sein, diesen Anspruch ein wenig auf den Grund zu gehen. Robert Bidinotto hat einige Artikel über Paul auf seinem Blog veröffentlicht und am 15. Januar noch einmal ein „Postmortem“. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Leser Pauls Interpretation des 1. Zusatzartikels der Verfassung schenken:

„Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung durch Petition um Abstellung von Missständen zu ersuchen.“

Paul interpretiert diesen Text keineswegs als Aufforderung zur Trennung von Staat und Kirche, sondern sieht in ihm einen Freibrief für die Regierungen der Staaten (states) Religion im öffentlichen Raum zu protegieren. Der Kongressabgeordnete formuliert es so:

The notion of a rigid separation between church and state has no basis in either the text of the Constitution or the writings of our Founding Fathers. The establishment clause of the First Amendment was simply intended to forbid the creation of an official state church like the Church of England, not to drive religion out of public life.

Paul lehnt ebenfalls die wissenschaftliche Theorie der Evolution ab und unterstützt den Unsinn eines „Kreationismus“.

Das religiöse Gesicht von Mitt Romney

Die Herausgeber der konservativen Zeitschrift National Review sagen es deutlich: Romney for President. Mitt Romney habe die Tugenden von Präsident Bush, vermeide aber seine Mängel. Romneys Mormonismus sei kein Hinderungsgrund, schließlich würde kein Pastor gewählt. Für Christopher Hitchens ist dieser Kandidat nicht wählbar:

Romney kann sich noch so in die Brust werfen und sagen, dass Gott „auf unserer Rechnung“ und „unser Unterpfand“ sein sollte, James Madison glaubte trotzdem nicht, dass Geistliche den Kongress eröffnen oder auch nur zu Seelensorgern der US-Streitkräfte ernannt werden sollten. Im Versuch, sich daran vorbeizumogeln und seine Behauptung zu untermauern, dass die Gründerväter im christlichen Sinn religiös gewesen seien, leiert Romney die Schilderung eines kaum relevanten Gefühlsausbruchs von 1774 herunter und wartet mit dem wenig überzeugenden Slogan „Freiheit braucht Religion so wie die Religion Freiheit braucht“ auf. Noch jedem Dummkopf fiele ein Beispiel ein, wo Freiheit ohne Religion auskommt – und käme noch leichter auf eines, wo es Religion ohne Freiheit (oder mit deren Unterdrückung) gibt.

Die Mär von der Wiederkehr des Glaubens

„Jeder fünfte Bundesbürger ist ein hochreligiöser Mensch“ heißt die Überschrift zu einer Presseerklärung der Bertelsmann-Stiftung. Bei der WELT heißt ein Artikel zu diesem Thema allerdings Die Mär von der Wiederkehr des Glaubens. Im Text heißt es weiter:

Von einer Wiederkehr der Religion kann in Deutschland keine Rede sein. Es gibt aber auch keinen Vormarsch des Atheismus. Vielmehr stellt sich die Glaubenslage in Deutschland laut dem neuen Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung als erstaunlich stabile Mischung aus jeweils kleineren Anteilen „hochreligiöser“ und „nicht religiöser“ Menschen sowie einem breiten Mittelfeld von mehr oder weniger „religiösen“ Bürgern dar.

Gottloses Amerika

Die Zeitschrift Economist macht auf eine interessante Umfrage aufmerksam, die zeigt, dass Nichtgläubige durchaus eine relevante Minderheit in Amerika sind. Nach dieser Umfrage hat sich die Zahl der Menschen, die explizit „keiner Religion“ angehören, zwischen 1990 und 2001 mehr als verdoppelt: von 13,1 Millionen auf 27,4 Millionen. Die gesamte Gruppe der Religionslosen (Atheisten, Agnostiker, Humanisten, Säkulare und „ohne Religion“) umfaßt 29,4 Millionen Menschen, was einem Anteil von 14,1 % an der Gesamtbevölkerung entspricht.

Hirsi Ali über den Islam

Libertäre müßten eigentlich frohlocken: Die holländische Regierung will den Personenschutz im Ausland für Ayaan Hirsi Ali nicht mehr bezahlen:

Seit 1. Oktober zahlt die Haager Regierung die teure Bewachung von Hirsi Ali im Ausland nicht mehr. Nur in den Niederlanden wird sie auf Kosten des Staates weiterhin rund um die Uhr bewacht. Daraufhin sah sich Hirsi Ali gezwungen, ihren Forschungsaufenthalt in den USA zu unterbrechen und nach Holland zurückzukehren. Hier versuchte sie in den vergangenen Tagen, private Sponsoren zu finden, die ihr den teuren Personenschutz bezahlen.

Sehr lesenswert ist das Interview, dass Ayaan Hirsi Ali mit der Zeitschrift REASON führte. Sie sagt dort, dass sich der Westen im Krieg mit dem „Islam“ befände und weist die These von Daniel Pipes zurück, der behauptet, dass der „radikale Islam“ das Problem sei und der „moderate Islam“ die Lösung:

I think that we are at war with Islam. And there’s no middle ground in wars.

Operation gelungen. Gott tot

In den letzten Wochen war Christopher Hitchens Buch Der Herr ist kein Hirte der eindeutige Favorit der Leser dieses Blogs, jedenfalls nach dem Maßstab der Klicks auf den Link bei Amazon. Jetzt hat Hannes Stein eine längere Besprechung für die WELT geschrieben, wo er Hitchens einen gewissen Respekt nicht verweigert, ihm gleichwohl vorwirft, „gründlich Unrecht“ zu haben. Unrecht deshalb, weil Stein der zentralen These in Hitchens Buch, dass „Religion die Welt vergiftet“ („Das große Gift der Menschheit“, nennt Ayn Rand die Religion in ihrem philosophischen Tagebuch Ende der zwanziger Jahre), wie der Untertitel des Buches aussagt, nicht zustimmen kann. Wie es allerdings auch bei realen Menschen nach ihrem Ableben nicht zu einer „Auferstehung“ kommt, so ist auch nach der „intellektuellen Hinrichtung“ von Hitchens die Sache unvermeidlich zu ihrem Ende gekommen: „Fall erledigt, Buch zugeklappt, Operation gelungen, Gott tot.“ Da hilft es auch keineswegs, wenn Stein versucht, aus dem Verhalten von religiösen Menschen auf die Richtigkeit religiösen Denkens zu schließen oder Hitchens vorwirft, bestimmte religiöse Geschichten nicht richtig verstanden zu haben. Stein ist ein religiöser Zweifelnder, wo Hitchens ein atheistischer Wissender ist, was Stein empört und ihn zu der Aufforderung der „beidseitigen Abrüstung“ bringt. Aber die Wahrheit sollte verteidigt und nicht demontiert werden, denn Hitchens „konstruiert“ keineswegs einen Gegensatz zwischen Religion und Vernunft, wie Stein meint, sondern dieser Gegensatz ist real, weil Glaube die Basis jedweder Religion ist, wo die Vernunft sich auf das Erkennen von Fakten stützt.

Von Rousseau zu Kardinal Meisner

Endlich wissen wir, woher Kardinal Meisner Anregungen für seine Predigten holt:  

„Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen.“

Jean-Jacques Rousseau, Emile

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet.“

Joachim Meisner in einer Predigt 2007

Religiöse Aufwallungen in der Union

Müssen wir uns das unter einem neuen „konservativen Profil“ bei der CDU/CSU vorstellen?: CDU-Generalsekretär will Kruzifixe in allen Schulen und Bayern will Gotteslästerung schneller bestrafen. „Wehret den Anfängen“ kann man da nur sagen und auf säkulare Reaktion von der FDP hoffen. Idealerweise sollte diese gleich den Abschaffung des Gotteslästerungsparagrafen fordern.

Rationaler Atheismus: Ein Kommentar

Der Humanistische Pressedienst veröffentlicht einen interessanten Kommentar von Andreas Müller, der sich mit einem offenen Brief von Michael Shermer beschäftigt. Shermer attackiert die angebliche „Militanz“ der „Neuen Atheisten“ (gemeint sind die Herren Dawkins, Dennett, Harris und Hitchens). Shermer versteht sich selbst als „Agnostiker“ und „Libertärer“ und fordert so etwas wie eine „höfliche Religionskritik“, was in der Praxis bei ihm darauf hinausläuft, die Religion gar nicht mehr, jedenfalls nicht grundsätzlich zu kritisieren. Verblüffend folgendes Zitat von Shermer: „Es ist irrational, eine feindliche oder herablassende Haltung gegenüber der Religion einzunehmen, weil wir dadurch geradezu garantieren, dass religiöse Menschen auf die selbe Weise darauf antworten werden.“