Die Bücher des Jahres 2007

Für welche Bücher interessierten sich die Leser dieses Blogs (und einiger angeschlossener Blogs) am meisten – ausgewiesen durch Klicks? Hier das Ergebnis: 1. Der Herr ist kein Hirte 2. The Capitalist Manifesto 3. Amerikanische Verhältnisse 4. Romancing Opiates 5. Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft 6. Hurra, wir kapitulieren! 7. Schöner Denken 8. Der Geschichtsfälscher 8. The Anti-Chomsky Reader 10. Ayn Rand Answers

Über den Spitzenreiter hier einige Bemerkungen von mir

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12 000 „rechtsextreme Straftaten“ 2006

Aber die Zahl ist nur deshalb so hoch, weil die Schwelle dessen, was als „rechtsextreme Straftat“ gilt, so niedrig ist. Darunter sind nämlich fast neuntausend „Propagandadelikte“, also das Zeigen verbotener Symbole, verbotene Aufmärsche, verbotene Stellungnahmen zur Geschichte, Anhören verbotener Lieder – mithin also „Taten“, die keinen normalen, der Meinungsfreiheit verpflichteten Menschen, sehr wohl aber einen deutschen Staatsanwalt in höchste Erregung versetzen.

Hans-Olaf Henkel in seinem Buch „Der Kampf um die Mitte“

Dieses Zitat von Henkel klingt gut, aber bedauerlicherweise schreibt er auch solche Dinge: „Nun hat es gewiss seine Berechtigung, etwa die Leugnung oder Relativierung des Holocaust zu bestrafen,…“

Kai Diekmanns Abrechnung mit den 68ern

Problematisch an den „Gutmenschen“ ist, dass sie gar nicht gut sind. Wer sich in eine Diskussion mit derartigen „Gutmenschen“ verstrickt oder über sie ein Buch verfaßt, sollte dies deutlich zum Ausdruck bringen. Wer dies nicht tut, wer seinem Widersacher, zumindest implizit, unterstellt, dass er eine legitime moralische Position einnimmt, die allerdings mehr oder weniger unpraktisch ist, begibt sich selbst argumentativ in die Defensive, weil Menschen, nicht zu Unrecht, Interesse an Moral haben, und immer wieder dazu neigen, entsprechend dieser Moral zu handeln. Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD Zeitung, hat eine Abrechnung mit den Achtundsechzigern verfaßt, denen er vorwirft, einen Epochenbruch in Richtung „Egozentrik, Mittelmaß und Faulheit“ in der deutschen Gesellschaft bewirkt zu haben (Der große Selbstbetrug):

Wir Deutschen wollen die Korrektesten, die Anständigsten, die moralisch Besten sein auf dieser Welt. Dagegen gäbe es eigentlich gar nichts einzuwenden. Wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was gesunden Menschenverstand ausmacht.

Einem weiteren Problem dürfte sich Diekmann auch kaum stellen: Inwieweit hat seine eigene Zeitung zu den Zuständen beigetragen, die er so wortreich beklagt?

Alan Greenspan in turbulenten Zeiten

22550549n.jpgAlan Greenspan hat ein Buch über sein Leben geschrieben (Mein Leben für die Wirtschaft), aber eigentlich, meint zumindest J. Bradford DeLong, seien es doch drei Bücher unter einem Umschlag: „Das erste sagt uns, wer Greenspan ist.“ Unter den Geschichten aus diesem Teil des Buches befindet sich natürlich auch Greenspans Zugehörigkeit zur Gruppe um Ayn Rand. Dan Agin schreibt, dass Greenspan in seinem Buch bestätigt, dass Ayn Rand „zu den größten intellektuellen und persönliche Einflüssen seines Lebens“ zählt. Danach gibt es bei ihm eine Art Superkurzfassung von Rands Objektivismus, und eben diese Philosophie soll es sein,  durch die sich die Dunkelheit und Widersprüchlichkeit von Greenspan auflösen lasse. Greenspan als konsequenter Objektivist? Ich bin gespannt, ob Greenspan dazu in seinem Buch eine Stellungnahme abgibt.  

Die Täter sind unter uns

Geschichte, die sich wiederholt hat- nach einer Dikatur -dieses Mal die DDR- bleiben die Täter weitgehend verschont. Lea Rosh über Hubertus Knabes Buch Die Täter sind unter uns:

Wieder bleiben Tat und Täter straffrei, wieder kehren die Täter unbehelligt in die Gesellschaft zurück, wieder beziehen die Täter hohe Renten und Pensionen und verspotten zynisch ihre Opfer, deren Altersversorgung nicht vergleichbar ist, die wegen ein paar Euro jämmerlicher Entschädigung jahrelang betteln müssen.

Die ernüchternde Bilanz der juristischen Bewertung einer Diktatur:

Es gab nur 316 Verurteilte. Die meisten, 190, erhielten Bewährungsstrafen, 105 kamen mit Geldstrafen, neun mit einer Verwarnung oder einem Tadel davon. Nur 19 mussten wirklich ins Gefängnis. Wieder ein gigantisches Versagen von Politik und Rechtsprechung.

Hannes Stein ganz kurz über Christopher Hitchens

Hannes Stein überrascht heute in der Literatrischen WELT mit einer Kurzkritik über Christopher Hitchens Buch God is Not Great (dt: Der Herr ist kein Hirte). Überrascht ist der Leser zunächst darüber, dass Stein die englische Sprache wählt -vermutlich weil der Gegenstand seiner Rezension auch auf Englisch ist-, aber vor allem überrascht Stein durch die deutlich Ablehnung von Hitchens Werk:

Needles to say, Mr. Hitchens is dead wrong. God is very great indeed. But Hitchens‘ prose style is highly entertaining anyway.

Bisher war mir Hannes Stein noch nicht als besonders religiös oder überhaupt als religiös aufgefallen, aber dies scheint wohl so zu sein, denn ansonsten wäre diese Zurückweisung von Hitchens nicht denkbar. Interessant wäre sicherlich auch zu erfahren, wie Stein beweisen will, dass Gott in der Tat „groß“ ist.