Niall Ferguson über den Sieger im Kulturkampf

Ich bin seit den 1980-er Jahren in der Akademie unterwegs, ich habe seither an vielen Elite-Unis unterrichtet: Cambridge, Oxford, New York, Harvard. Der Stimmungswandel, der in den letzten dreißig Jahren stattgefunden hat, ist tiefgreifend. Ich muss es so direkt wie simpel sagen: Die Linken haben die Macht übernommen. Und sie, die sich in der Theorie für die Inklusion stark machen, haben in der Praxis alle Andersdenkenden konsequent exkludiert.

Niall Ferguson im Gespräch mit Rene Scheu

Sind wir jetzt alle Sozialisten?

Diese Frage stellt sich Yaron Brook vom Ayn Rand Institute und wer sich die Schlagzeilen vom Wochenende ansieht, kann nachvollziehen, warum er diese Frage so formulierte. Fritz Kuhn von den Grünen etwa fordert eine „intelligente Verstaatlichung“ und damit steht er keineswegs allein. In den USA werden derartige Pläne in der Regierung ernsthaft diskutiert. Wie gut, dass wenigstens Yaron Brook dagegenhält: „Eine Krise transformiert Gift nicht in Medizin.“ Und die richtige Medizin wäre für Brook Kapitalismus, nicht eine höhere Dosis Sozialismus. Aber derartige Analysen stoßen bei Sozialisten wie Konservativen gleichermaßen auf taube Ohren und so läßt sich eine weitere Frage formulieren: „Was ist der Unterschied zwischen Sozialisten und Konservativen?“ Antwort: „Sozialisten verstaatlichen Banken, wenn es denen gut geht. Konservative verstaatlichen Banken, wenn es denen schlecht geht.“

Neocons, die Sozialdemokraten der Rechten

Hannes Stein gefällt Ann Coulter sicherlich deutlich besser als Michael Moore – und dies nicht nur optisch. In seinem Artikel fällt mir allerdings eine Beschreibung der amerikanischen Neokonservativen auf, die nur eine halbe Wahrheit zum Ausdruck bringt:

Sie gehört nicht zu den „neocons“, den verfemten amerikanischen Neokonservativen – die ja im Grunde (und wenn man genauer hinschaut) innenpolitisch eher Sozialdemokraten, außenpolitisch aber kämpferische Liberale sind.

Stein scheint davon auszugehen, dass zwischen den innen- und außenpolitischen Ansichten der Neocons eine grundlegende Differenz besteht. Dies möchte ich bezweifeln. Altruistische Prämissen beherrschen das neokonservative Denken durchaus sowohl in den Innen- wie in der Außenpolitik. Außenpolitisch ist die neokonservative Richtung kein neues Phänomen, sondern ist bekannt unter den Begriffen „Liberaler Internationlismus“ oder „Wilsonianismus“ -einige Neokonservative sprechen von ihrer Schule als einem „harten Wilsonianismus“-, wenn sich auch die jeweiligen Methoden unterscheiden, denn Neokonservative sprechen offen aus, dass sie für ihre ambitionierten außenpolitischen Ziele auch Gewalt einsetzen wollen.

Literatur: Yaron Brook und Alex Epstein: Neoconservative Foreign Policy: An Autopsy (vollständiger Text nur für Abonnenten)

David Mamet ist kein Linker mehr

Schade, die WELTWOCHE veröffentlicht David Mamets Bekenntnis, dass er kein Linker mehr sei, aber leider bleibt der komplette Text den Abonnenten vorbehalten- so bleibt uns nur das englische Original:

Als Kind der Sechziger akzeptierte ich den Glaubensartikel, dass der Staat korrupt ist, alle Unternehmer Ausbeuter sind und der Mensch prinzipiell gut ist. Mit den Jahren setzten sich diese Thesen als realitätsfremde Vorurteile fest. Woher ich das weiss? Meine Frau hat es mir gesagt.

As a child of the ’60s, I accepted as an article of faith that government is corrupt, that business is exploitative, and that people are generally good at heart.

These cherished precepts had, over the years, become ingrained as increasingly impracticable prejudices. Why do I say impracticable? Because although I still held these beliefs, I no longer applied them in my life. How do I know? My wife informed me.

„Fitna“ provoziert, aber…

Über den Autoren des anti-islamischen Filmes Fitna schreibt Jörg Fischer-Aharon:

Geert Wilders ist Vorsitzender und Parlamentsabgeordneter der niederländischen „Partei der Freiheit“ (PVV), die bei den letzten Parlamentswahlen aus dem Stand knapp 6 Prozent der Stimmen errang. Bis letzte Woche wurde er und seine Gruppe von vielen Niederländern als liberal-konservativ, mitunter als „radikal-liberal“ bezeichnet, seit Donnerstag ist er – zumindest für die meisten Medien – nur noch „der Rechtspopulist“.

Und sein Film?

Geert Wilders ist Politiker, kein Filmemacher. Das merkt man seinem Film auch an. Handwerklich, vom filmischen her gesehen, ist er einfach schlecht. Auch enthält er keinen Neuigkeitswert. Er stellt Koran-Verse, in denen zur Ermordung der „Ungläubigen“ aufgerufen wird in einen bildchen Zusammenhang zu den islamistischen Terrorangriffen auf New York und Madrid, dokumentiert die antisemitische Hasspropaganda etwa im staatlichen Fernsehen Saudi-Arabiens und die homophoben Ausfälle diverser „Prediger“. Der Film ist auch nicht wissenschaftlich. Das kann er – bei einer Länge von gerade 15 Minuten – auch gar nicht, und das muss er auch nicht, denn Wilders ist, wie erwähnt, Politiker und kein Wissenschaftler.

Schockierend sei nicht der Film, meint der Autor, sondern die Reaktionen:

Denn die Reaktionen, der vorauseilende Gehorsam gegenüber faschistoiden Terroristen – begründen die Frage, wie es um die Meinungsfreiheit bestellt ist, wie wehrhaft unsere Demokratie ist und wie standhaft unsere offene Gesellschaft sich gegen jene Elemente behauptet, die genau diese unsere offene Gesellschaft zerschlagen wollen.

Die NZZ schreibt in der Reaktion auf den Film:

Länder wie Iran, Indonesien oder Bangladesh verurteilten die Dokumentation, in welcher der Islam als Gewaltorgie dargestellt wird. Die niederländische Regierung hat sich von Wilders Film distanziert.

Auch der konservative Publizist Jonah Goldberg hat Fitna gesehen:

Fitna ist provokativ, aber hat guten Grund, dies zu sein.

Und die Reaktion der Linken -oder müßte man sagen, die fehlende Reaktion- empört ihn:

Sie reservieren ihre Leidenschaft und ihre Verachtung für religiöse Christen, die weder gewaltätig noch fanatisch sind.

Goldberg erwähnt dies nicht, aber man sollte schon darauf verweisen, dass Personen wie Yaron Brook, John Lewis und andere säkular orientierte Menschen
deutlich gegen den Islam aufstehen und dafür ernsthafte Drohungen und Einschüchterungen hinnehmen müssen. Die beschämende Haltung der von Goldberg erwähnten Linken ist keineswegs typisch für alle nicht-christlichen Menschen des Westens. Auch wenn man die christlichen Richtungen im Westen nicht mit dem Islam gleichsetzen sollte, sind sie doch nicht so harmlos wie Goldberg meint, denn das politisierte Christentum in den USA stellt immer wieder die Trennung von Staat und Religion in Frage.

Die „rechts-reaktionäre“ CDU in Hessen

Der grüne Abgeordnete der Europäische Parlaments Daniel Cohn-Bendit hält nichts von einer sog. „Jamaika-Koalition“ für das Bundesland Hessen:

Jamaika ist völlig undenkbar und wäre ein Wortbruch an unseren Wählern.“ Die hessische CDU sei eine rechts-reaktionäre Partei, die gegen Ausländer und Minderheiten hetze. Dies sei so tief in der Partei verankert, dass selbst ein Abgang Kochs daran wohl nichts ändern werde.

Die CDU mag „rechts-reaktionär“ sein, aber so „rechts-reaktionär“, dass die das sog. Waterboarding unterstützt, ist sie keineswegs – wie eine Presseerklärung von zwei hessischen Bundestagsabgeordneten zeigt:

Anlässlich des Vetos des amerikanischen Präsidenten gegen das Gesetz zum Waterboarding erklären die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach MdB und der stv. Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Holger Haibach MdB:

Wir bedauern die Entscheidung von Präsident Bush, gegen das Gesetz des amerikanischen Kongresses zum Verbot des Waterboarding sein Veto einzulegen. Durch den Gesetzentwurf wären Mitarbeiter der CIA verpflichtet worden, sich bei Verhören an die Dienstvorschriften der amerikanischen Armee zu halten.

Die beiden Abgeordneten vergessen natürlich auch nicht, darauf zu verweisen, „dass Folter zur Informationsgewinnung ohnehin ein nutzloses Instrument ist.“ Im Fall Daschner, und anderen Fällen, funktionierte sie allerdings, ja sie mußte noch nicht einmal angewendet werden, es reichte die pure Drohung mit Gewalt, zumindest im Fall Daschner. Über einen erfolgreichen Fall von Waterboarding berichtet die Netzeitung:

Beim so genannten Waterboarding wird dem Häftling das Gefühl vermittelt, zu ertrinken. Die umstrittene Methode wurde beim Verhör des Al-Qaeda-Verdächtigen Abu Zubaydah eingesetzt, dessen Befragung die CIA auf Video festhielt. Die Bänder wurden vor zwei Jahren vernichtet.

Die Technik habe bei Zubaydah in weniger als 35 Sekunden gewirkt, sagte Kiriakou am Dienstag im Sender NBC. Am darauffolgenden Tag habe er erklärt, Allah sei ihm erschienen und habe ihn aufgefordert, mit den US-Ermittlern zusammenzuarbeiten. «Von dem Tag an hat er jede Frage beantwortet.»

Man lese den Aufsatz von Mark Bowden zur Verteidigung des Waterboarding, wobei dieser allerdings davon ausgeht, dass es illegal ein sollte.