Niall Ferguson über den Sieger im Kulturkampf

Ich bin seit den 1980-er Jahren in der Akademie unterwegs, ich habe seither an vielen Elite-Unis unterrichtet: Cambridge, Oxford, New York, Harvard. Der Stimmungswandel, der in den letzten dreißig Jahren stattgefunden hat, ist tiefgreifend. Ich muss es so direkt wie simpel sagen: Die Linken haben die Macht übernommen. Und sie, die sich in der Theorie für die Inklusion stark machen, haben in der Praxis alle Andersdenkenden konsequent exkludiert.

Niall Ferguson im Gespräch mit Rene Scheu

Die Liberale Internationale in islamischen Ländern

Eine Nachbemerkung zu Präsidents Bush These, dass die Freiheit ein universeller Wert sei. Universell ist sie natürlich in dem Sinne, dass alle Menschen das Recht auf Freiheit besitzen. Offensichtlich ist allerdings auch, dass viele Menschen diese Freiheit weder für sich noch andere wollen. Für Präsident Bush scheinen diese Menschen gar nicht zu existieren. Dazu ein Blick auf die Liberale Internationale: Bei den Vollmitgliedern sind lediglich in zwei mehrheitlich vom Islam geprägten Ländern -in Marokko zwei Organisationen und eine im Senegal- entsprechende Organisationen zu finden. Zufall?

Freiheit ist kein universeller Wert

Freiheit ist bedauerlicherweise kein universeller Wert, den alle Menschen auf der Welt gleichermaßen schätzen würden. Nur Kulturen, die den Wert des Individuums schätzen und seine Fähigkeit und sein Recht anerkennen, selbst über sein Leben entscheiden zu können, sind zu politischer Freiheit fähig. Präsident Bushs Äußerungen in DIE WELT sind leider von reinem Wunschdenken geprägt:

Ich glaube, Freiheit ist ein universeller Wert. Es gibt Leute, die sagen, Bush will den Menschen seine Werte aufzwingen. Das sind doch aber nicht meine Werte, sondern universelle Werte – Werte, die sich in der Geschichte bewährt haben, Werte auch, die gottgegeben sind. Und ich denke, dass diejenigen, die ein gutes und bequemes Leben führen, die Pflicht haben, anderen zu helfen, auch in den Genuss von Freiheit zu kommen. Das ist das einzige wirksame Gegenmittel gegen Ideologen, die um ihrer politischen Ziele willen Unschuldige ermorden.

Ein liberaler Franzose

Ein ungewöhnlicher Kandidat: Der 27jährige Edouard Fillias möchte von der Alternative Liberal möchte französischer Staatspräsident werden. Aber weil Frankreich ist wie es ist, ist er leider chancenlos. Die WELT zitiert ihn mit folgenden Worten:

Wir müssen von jener von Rousseau geprägten Idee Abschied nehmen, es gäbe eine ,volonté générale“, einen gemeinsamen Volkswillen. Robespierre, Hitler und Stalin haben gezeigt, wozu das führt: zur Herausbildung totalitärer Strukturen, an deren Spitze dann Menschen stehen, die angeblich genau wissen, was „das Volk“ will, und nicht abwählbar sind. Selbst eine Demokratie ist dagegen nicht gefeit. Wussten Sie, dass es in Frankreich ein noch immer gültiges Gesetz von 1947 gibt, das die Gründung neuer Gewerkschaften verbietet?“

Zum Tode von Milton Friedman

Wer sich durch die diversen objektivistischen Blogs klickt, dem fällt auf, dass der Tod des Nobelpreisträgers Milton Friedman für die Autoren dieser Blogs kein Thema ist. Lediglich Solopassion veröffentlicht einen Aufsatz von Ed Hughins von der Website der Atlas Society. Dieser Aufsatz zeichnet sich dadurch aus, dass Hughins lediglich erwähnt, dass Vertreter der Österreichischen Schule und Libertäre Einwände gegen Friedman hätten, ohne mit einem Wort darauf einzugehen, dass auch Objektivisten und vor allem auch Ayn Rand selbst Einwände gegen Friedman geäußert haben. Auch Robert Tracinski soll sich auf TIA Daily zu Friedman eingelassen haben, wobei ich nur hoffe, dass dies nicht alles ist:

„He is one of the men who held up the roof of American civilization and saved us from collapse.“

Wie fehlerhaft Friedman in philosophischer Hinsicht dacht, macht ein Zitat deutlich, dass sich in der heutigen WELT am Sonntag befindet:

„Intellektuelle sind Leute, die irrtümlich glauben, dass Vernunft (…) stärker ist als alles andere. Und dies führt sie zu der Annahme, dass Planung bessere Ergebnisse erbringen muss als das mehr oder weniger ungeordnete Chaos, als das ihnen der Markt erscheint.“

Tatsächlich hat die sozialistische „Planung“ mit Vernunft überhaupt nichts zu tun und chaotisch ist tatsächlich der Sozialismus, worauf George Reisman in seinem Buch „Staat contra Wirtschaft“ verweist:

Der große Witz am Sozialismus, an der ‚Planung‘, wie sie es nennen, ist, dass er gar nicht planen kann; er zerstört die Planung und ersetzt sie durch Chaos.

Schill-Partei kontra „Manchester-Liberalismus“

Eine Meldung aus dem Hamburger Abendblatt, die die Distanz der Schill-Partei zum Liberalismus deutlich macht. In Hamburg ist es zu einem Koalitionsstreit um die Rechte der Personalräte gekommen: Die Fraktion der Schill-Partei in der Bürgerschaft lehnt die weit reichenden Vorschläge der FDP zur Einschränkung der Mitwirkungsrechte der Personalräte ab. Der Konservatismus in Deutschland weist häufig derartig anti-individualistische Züge auf, dass man kaum Unterschiede zu den Argumenten von offenen Sozialisten ausmachen kann: „Eines wird es nicht geben: dass wir in die Zeiten des Manchester-Liberalismus zurückgehen, in denen nach dem Prinzip verfahren wird, je üppiger der Tisch der Reichen gedeckt ist, desto mehr Krümel fallen für die weniger Begüterten herunter“, gibt der Schill-Abgeordnete Abgeordnete Manfred Silberbach den Kurs vor. Den Schillianern ist der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle mit seinen harschen Tönen gegen die Gewerkschaften ein Dorn im Auge. „Einige Liberale wollen in Hamburg Westerwelle nacheifern. Das wollen wir vereiteln“, betont Silberbach.“