Die Ron-Paul-Kontroverse – ein Postmortem

Der Abgeordnete Ron Paul ist sicherlich kein besonders wichtiger Kandidat in der Riege der republikanischen Bewerber um eine Präsidentschaftskandidatur, aber er hat doch eine gewisse Aufmerksamkeit erfahren, besonders für seine außenpolitischen Ansichten, und sein Bemühen, als prinzipienfester Kandidat der Freiheit aufzutreten, sollte Grund genug sein, diesen Anspruch ein wenig auf den Grund zu gehen. Robert Bidinotto hat einige Artikel über Paul auf seinem Blog veröffentlicht und am 15. Januar noch einmal ein „Postmortem“. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Leser Pauls Interpretation des 1. Zusatzartikels der Verfassung schenken:

„Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung durch Petition um Abstellung von Missständen zu ersuchen.“

Paul interpretiert diesen Text keineswegs als Aufforderung zur Trennung von Staat und Kirche, sondern sieht in ihm einen Freibrief für die Regierungen der Staaten (states) Religion im öffentlichen Raum zu protegieren. Der Kongressabgeordnete formuliert es so:

The notion of a rigid separation between church and state has no basis in either the text of the Constitution or the writings of our Founding Fathers. The establishment clause of the First Amendment was simply intended to forbid the creation of an official state church like the Church of England, not to drive religion out of public life.

Paul lehnt ebenfalls die wissenschaftliche Theorie der Evolution ab und unterstützt den Unsinn eines „Kreationismus“.

Radikales Amerika

Philip Plickert schreibt für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Brians Dohertys Buch Radicals for Capitalism. Bedauerlicherweise scheint der Autor über den Gegenstand des Buches so wenige Kenntnisse zu haben, dass er Dohertys Thesen einfach als wahr unterstellt, und sich mit dem Urteil begnügen muss, dass Doherty „unterhaltsam“ und „interessant“ geschrieben hat. Kritisch behandelt etwa James S. Valliant die Darstellung von Ayn Rand durch Doherty.

Francisco G. ist nicht länger ein Libertärer

Francisco Gutierrez vesteht sich nicht länger als Libertärer, wie er auf seinem Blog schreibt, sondern will sich in Zukunft, je nach Kontext, als Kapitalist oder Objektivist bezeichnen. Libertäre sagten zwar, dass sie für Freiheit seien, sie würden den Begriff aber nicht definieren. Der Typ von Freiheit, den er sich wünsche, sei durch den Objektivismus definiert:

„Um die Freiheit zu verteidigen, muss man den Kapitalismus verteidigen; um den Kapitalismus zu verteidigen, muss man die Individualrechte verteidigen; um die Individualrechte zu verteidigen, muss man den Egoismus verteidigen; um den Egoismus zu verteidigen, muss man die Vernunft verteidigen; und um die Vernunft zu verteidigen, muss man akzeptieren, dass die Realität unabhängig von unserem Bewusstsein existiert.“

Brink Lindseys marxistischer Libertarianismus

Blogger Noumenalself ist nur hin und wieder auf seinem Blog aktiv, aber wenn, dann sind seine Beiträge höchst interessant. Am 13. Juli hat er einen Eintrag über Brink Lindseys Version eines, wie Noumenalself schreibt, „marxistischen Libertarianismus“ verfaßt. Noumenalself verweist unter anderem darauf, dass Libertäre das Bedürfnis verspürten, zu erklären, dass die Geschichte auf ihrer Seite sei -wie die Marxisten auch-, weil „ihnen jede ernsthafte normative Rechtfertigung ihrer Politik fehlt.“