Aufklärung jetzt

Das überzeugendste Merkmal des Buches (Steven Pinker: Aufklärung jetzt: Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung)ist seine detaillierte Beschreibung der technologischen und sozialen Verbesserungen im Verlauf der letzten beiden Jahrhunderte, in denen sich „die Lebenserwartung weltweit von 30 auf 71 Jahre erhöht hat und in den glücklicheren Ländern auf 81.“ Beinahe überall arbeiten die Menschen weniger und erfreuen sich mehr am Leben als die reichsten Menschen noch vor einigen Generationen. Pinker geht nicht davon aus, dass der Fortschritt unvermeidlich ist. Kulturelle Katastrophen wie das finstere Mittelalter beweisen, dass die Faktoren, die wesentlich sind für den Fortschritt, zerstört werden können.
Die philosophischen Passagen von Pinkers Buch sind schwächer. Als Anhänger des Wohlfahrtsstaates ignoriert er die Fakten, die zeigen,  dass der Laissez-Faire-Kapitalismus die Menschheit reicher und glücklicher machen würde, und seine ethischen Ansichten sind eingefärbt vom Altruismus, der eben von jenen Religionen stammt, die er anprangert. Aber seine Verteidigung der Vernunft gegen die Reaktionäre und Romantiker, die das Erbe der Aufklärung verhöhnen – seien es Konservative oder linke Öko-Schwarzmaler- ist stark.

Timothy Sandefur: Enlightenment Now: The Case for Reason, Science, Humanism, and Progress

Die Bücher des Jahres 2007

Für welche Bücher interessierten sich die Leser dieses Blogs (und einiger angeschlossener Blogs) am meisten – ausgewiesen durch Klicks? Hier das Ergebnis: 1. Der Herr ist kein Hirte 2. The Capitalist Manifesto 3. Amerikanische Verhältnisse 4. Romancing Opiates 5. Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft 6. Hurra, wir kapitulieren! 7. Schöner Denken 8. Der Geschichtsfälscher 8. The Anti-Chomsky Reader 10. Ayn Rand Answers

Über den Spitzenreiter hier einige Bemerkungen von mir

12 000 „rechtsextreme Straftaten“ 2006

Aber die Zahl ist nur deshalb so hoch, weil die Schwelle dessen, was als „rechtsextreme Straftat“ gilt, so niedrig ist. Darunter sind nämlich fast neuntausend „Propagandadelikte“, also das Zeigen verbotener Symbole, verbotene Aufmärsche, verbotene Stellungnahmen zur Geschichte, Anhören verbotener Lieder – mithin also „Taten“, die keinen normalen, der Meinungsfreiheit verpflichteten Menschen, sehr wohl aber einen deutschen Staatsanwalt in höchste Erregung versetzen.

Hans-Olaf Henkel in seinem Buch „Der Kampf um die Mitte“

Dieses Zitat von Henkel klingt gut, aber bedauerlicherweise schreibt er auch solche Dinge: „Nun hat es gewiss seine Berechtigung, etwa die Leugnung oder Relativierung des Holocaust zu bestrafen,…“

Kai Diekmanns Abrechnung mit den 68ern

Problematisch an den „Gutmenschen“ ist, dass sie gar nicht gut sind. Wer sich in eine Diskussion mit derartigen „Gutmenschen“ verstrickt oder über sie ein Buch verfaßt, sollte dies deutlich zum Ausdruck bringen. Wer dies nicht tut, wer seinem Widersacher, zumindest implizit, unterstellt, dass er eine legitime moralische Position einnimmt, die allerdings mehr oder weniger unpraktisch ist, begibt sich selbst argumentativ in die Defensive, weil Menschen, nicht zu Unrecht, Interesse an Moral haben, und immer wieder dazu neigen, entsprechend dieser Moral zu handeln. Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD Zeitung, hat eine Abrechnung mit den Achtundsechzigern verfaßt, denen er vorwirft, einen Epochenbruch in Richtung „Egozentrik, Mittelmaß und Faulheit“ in der deutschen Gesellschaft bewirkt zu haben (Der große Selbstbetrug):

Wir Deutschen wollen die Korrektesten, die Anständigsten, die moralisch Besten sein auf dieser Welt. Dagegen gäbe es eigentlich gar nichts einzuwenden. Wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was gesunden Menschenverstand ausmacht.

Einem weiteren Problem dürfte sich Diekmann auch kaum stellen: Inwieweit hat seine eigene Zeitung zu den Zuständen beigetragen, die er so wortreich beklagt?

Alan Greenspan in turbulenten Zeiten

22550549n.jpgAlan Greenspan hat ein Buch über sein Leben geschrieben (Mein Leben für die Wirtschaft), aber eigentlich, meint zumindest J. Bradford DeLong, seien es doch drei Bücher unter einem Umschlag: „Das erste sagt uns, wer Greenspan ist.“ Unter den Geschichten aus diesem Teil des Buches befindet sich natürlich auch Greenspans Zugehörigkeit zur Gruppe um Ayn Rand. Dan Agin schreibt, dass Greenspan in seinem Buch bestätigt, dass Ayn Rand „zu den größten intellektuellen und persönliche Einflüssen seines Lebens“ zählt. Danach gibt es bei ihm eine Art Superkurzfassung von Rands Objektivismus, und eben diese Philosophie soll es sein,  durch die sich die Dunkelheit und Widersprüchlichkeit von Greenspan auflösen lasse. Greenspan als konsequenter Objektivist? Ich bin gespannt, ob Greenspan dazu in seinem Buch eine Stellungnahme abgibt.

Howard Zinn gegen Amerika

Howard Zinns populäres Buch „People’s History of the United States“ gibt es jetzt auf Deutsch (Eine Geschichte des amerikanischen Volkes). Zinn erzählt die amerikanische Geschichte als eine Abfolge von Verbrechen. „Man vesteht gar nicht, warum massenhaft Leute auf die absurde Idee kommen, in diese Hölle einzuwandern“, fragt sich Hannes Stein in die WELT.