Zwei Männer über Putin

„Ich habe dem Mann in die Augen gesehen. Ich halte ihn für direkt und vertrauenswürdig. Ich war in der Lage, einen Eindruck von seiner Seele zu gewinnen.“

(Bush über Putin im Juni 2001 nach dem ersten Treffen in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana)

„Ich schaute in seine Augen und sah drei Buchstaben – KGB.“

John Mc Cain im Wahlkampf 2008 über Putin

Sudentenkrise im Kaukasus

Die russische Führung folgt gegenüber Georgien einem Drehbuch (siehe auch die Presse aus dem Jahr 1938 mit dem Titel „Sudentenkrise„. Die amerikanische Presse (hier und hier) vergißt auch nicht die Rolle Deutschlands zu erwähnen, das beim NATO-Gipfel im April gegen eine NATO-Mitgliedschaft von Georgien opponierte. Dies dürfte in Moskau wohl kaum als Entmutigung eines militärischen Vorgehens aufgefaßt worden sein.

Ein Visionär der Vergangenheit

Den Tod des Schriftstellers Alexander Solschenizyn mag man bedauern, das Verstummen des politischen Visionärs Solschenizyn allerdings braucht man nicht zu bedauern. Die TAZ zum Tode des Schriftstellers:

Der Kommunismus war in seinen Augen eine Emanation des westlichen rationalistischen Humanismus, der seit der Aufklärung seinen verhängnisvollen Lauf nahm. Wie Premier Putin und viele Landsleute verwand auch Solschenizyn den Zerfall des Imperiums nicht. Ein unteilbares Großrussland, dem die Ukraine, Weißrussland und Nordkasachstan angehören, war für ihn genauso selbstverständlich wie die Existenz eines starken Staates. Solschenizyn blieb ein Visionär der Vergangenheit.

Die Sehnsucht der Russen nach der Sowjetunion

Andre F. Lichtschlag, Herausgeber von eigentümlich frei, kennt Russland, oder doch nicht? Im Diskussionsteil von ef-online zeigt er sich empört:

Wie kann man den Russen pauschal unterstellen, sie würden der Sowjetunion nachtrauern? Gerade das tun sie nicht (mit Ausnahme einiger Rentner und deren kommunistischer Partei).

Eine aktuelle Umfrage zeigt allerdings, dass dieser pauschale Vorwurf durchaus gerechtfertigt ist – ganz im Gegensatz zu dem, was Herr Lichtschlag meint:

Die Mehrheit der Bürger Russlands (35 Prozent von 1600 Befragten) bezeichneten das sowjetische System als das beste politische Modell. 27 Prozent sind mit der heutigen Staatsordnung zufrieden und nur 19 Prozent befürworten die westliche Demokratie.

Ein Propagandist des Kreml

Kein Wort von den inneren Problemen, die Russland plagen: der niedrigen Lebenserwartung für Männer, der katastrophalen Geburtenrate, der Ausbreitung von Aids, der Wiederkehr der Tuberkulose, dem Mangel an Rechtssicherheit. Kein Wort vom Schicksal der „Oligarchen“ (dem höflicheren Ausdruck für „reiche Juden“; früher sagte man „Kosmopoliten“ dazu).

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Was Hannes Stein hier in der WELT schreibt, bezieht sich nicht auf Verleger Andre F. Lichtschlag, sondern …auf unseren Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Es ist etwas faul im Staat Russland

Außenminister Steinmeier formuliert Kritik an Russland und Präsident Putin nur in einer vorsichtigen, diplomatischen Sprache:

„Ich erwarte, dass Russland all diesen Vorwürfen nachgeht und dass Russland Aufklärung schafft.“

Verleger Andre F. Lichtschlag schafft noch nicht einmal das:

Natürlich ist in Russland nicht alles Gold, was glänzt…

Was da nicht alles „Gold“ ist, könnte man zum Beispiel im Index of Economic Freedom nachlesen: Russland belegt dort Platz 120. Konkret bedeutet dies, dass die Ökonomie als „weitgehend unfrei“ gilt. Oder die Einschätzung von Freedomhouse zur politischen Freiheit: Russland erhielt dort den Status „unfrei“.

Die liberalen Kräfte Russlands werden im neuen Parlament nicht vertreten sein, und wie diese Liberalen in den Medien dargestellt werden, können wir der NZZ entnehmen:

In einer völlig unausgewogenen Diskussionsrunde im ersten staatlichen Fernsehkanal in der Wahlnacht bezeichneten kremlnahe Politbeobachter die Liberalen als fünfte Kolonne und Verräter.

Die Malaise in Russland läßt sich allerdings nicht mit der Person Putin erklären, sondern geht tiefer, denn Putin schwimmt nur auf einer Welle von Anti-Liberalismus:

Die meisten Russen glauben heute allen Ernstes, der Westen habe den Russen 1991 ihr Imperium weggenommen und Russland in den 90er Jahren absichtlich in Armut gestürzt. Das Problem ist wirklich nicht Putin. Der eingesperrte Michail Chodorkowski hat recht, wenn er sagt: Putin ist liberaler als 89 Prozent seiner Bevölkerung.